USB-Memory-Stick (USB-Speichermodul) FAQ - Teil 3: Betriebssysteme und USB-Memory-Stick Previous Tips und Tricks (Software) Next Windows-CDs "entdongeln"
Previous Die letzten Änderungen Next
itk-logo

 

Windows XP virtualisieren mit Oracle VirtualBox


Im April 2014 stellt Microsoft jede Unterstützung für Windows XP ein. Vor allem werden dann keine Sicherheitslöcher mehr gestopft. Aus eigener Erfahrung aus der Nachbarschaftshilfe weiß ich, dass sehr viele Nutzer von Windows XP davon nichts wissen und selbst sieben Jahre alte Rechner hinnehmen, die zum Einspielen der monatlichen Security-Updates für Windows XP eine Stunde oder mehr brauchen - sofern sie ihre Rechner überhaupt aktualisieren lassen. Kurz: Es werden noch lange viele Windows-XP-Rechner am Netz sein und ein lohnendes Objekt für Kriminelle abgeben. Aber wie kommt man möglichst sanft von Windows XP weg?

Ein Weg ist der Umstieg auf Windows 7 oder Windows 8. Speziell bei Windows 8 führt der Umstieg zu einem ziemlichen Kulturschock und mancher will mit diesen neuen Windows-Versionen nichts zu tun haben. So habe ich beschlossen, auf Linux umzusteigen. Auch da gibt's natürlich einen Kulturschock, den ich auf meine Weise abmildere:

  • In der ersten Stufe steige ich auf Open-Source-Programme um, die es sowohl für Windows als auch für Linux gibt. Diese Stufe habe ich schon wesentlich hinter mir, indem ich von MS-Word auf Libre Office und von anderen Browsern auf Firefox umgestiegen bin.
  • In der zweiten Stufe verschiebe ich meine Arbeit auf die gleichen Anwendungen unter Linux. Dazu muss man in den entsprechenden Websites herausfinden, wo die jeweiligen Konfigurationsdateien in beiden Betriebssystemen liegen. Dann kann man die entsprechend umkopieren. Beim Firefox war's das schon! Bei LibreOffice muss man z.B. seine Spezialschriften auch unter Linux installieren und sich an die etwas andere Bezeichnung der ganzen Verzeichnisse gewöhnen.

Das war jetzt aber etwas verkürzt beschrieben, denn da gehörte auch noch ein Rechnerwechsel dazu:

  • Meinen neuen Laptop kaufte ich ohne Betriebssystem, aber mit 8 GB RAM. Vor dem Kauf prüfte ich im Internet, ob das gewählte Betriebssystem den Rechner auch gut unterstützt.
  • Als Betriebssytem installierte ich Ubuntu-64bit. Ein 64-bit-Betriebssystem muss das sein, weil ein 32-bit-Betriebssystem nur 4 GB Speicher adressieren kann und davon schnappt sich sogar die Hardware noch etwas. Statt der Linux-Distribution Ubuntu hätte ich auch Windows 7 oder Windows 8 installieren können, das spielt für den weiteren Weg keine Rolle.
  • Auf diesem Betriebssystem installierte ich das kostenlose Anwendungsprogramm Oracle Virtual Box. Die Funktion von Oracle Virtual Box ist, nach oben wie übliche PC-Hardware auszusehen. Ich kann also auf Oracle Virtual Box z.B. Windows XP installieren.
  • Hat man das nach Anleitung getan, kann man wie gewohnt eine Windows-XP-Arbeitsumgebung einrichten. Das funktioniert selbst dann, wenn es für den neuen Rechner keine Windows-XP-Treiber mehr gibt. Denn die real existierende Hardware wird vom gastgebenden Betriebssystem bedient - bei mir also von Linux.
  • Lasse ich das Programmfenster von Oracle Virtual Box randlos laufen, sieht der Bildschirm wie bei einem Windows-XP-Rechner aus und fühlt sich auch so an.
  • Den Ordner Eigene Dateien verschob ich auf ein eigenes Laufwerk, das mit Hilfe von Oracle Virtual Box in Form eines Unterverzeichnisbaums unter /~home im Linux-Dateisystem liegt. So komme ich an meine Daten auch von Linux aus heran.

Der Sinn der Übung ist der fugenlose Übergang von Windows nach Ubuntu. Firefox und LibreOffice nutze ich unter Windows nur noch, wenn ich die üblichen Querverbindungen zu Outlook nutze - also etwa auf einen Link in einer E-Mail klicke. Das läuft dann aber beispielsweise so, dass ich ein Office-Dokument unter Windows sichte, von LibreOffice aus in Eigene Dateien speichere und dann unter Ubuntu weiter bearbeite.

Oracle Virtual Box kann auch USB-Schnittstellen an das Gast-Betriebssystem durchreichen. Das rettet z.B. ältere Multifunktionsgeräte (Drucker/Scanner/Fax/Kopierer), für die es nichts Neueres als Windows-XP-Treiber gibt. Allerdings ist dieser Weg nicht wirklich effizient. Auch auf einem leistungsfähigen Rechner wird es schwer fallen, einen Fernsehempfänger in Form eines USB-Stick im Gast-Betriebssystem zum Laufen zu bekommen. Aber wenn man vor dem Kauf des DVB-T-USB-Sticks aufpasst, sollte man ihn auch unter Linux benutzen können. Steigt man auf Windows 7 oder 8 um, gilt Gleiches. Speziell Windows 8 wird aber sehr häufig noch nicht offiziell unterstützt.

Die Haken und Ösen von Oracle Virtual Box

Vielen ist Oracle Virtual Box sicher schon lange bekannt - genau wie diverse Alternativprodukte. Aber alle Theorie ist grau und so traut sich wohl mancher nicht so recht an ein Projekt wie das obenskizziert heran. Deshalb hier ein Erfahrungsbericht:

  • Für alle, die das schon mal probiert haben und gerade mit dem Durchreichen einer USB-Schnittstelle Probleme hatten: Seit der Version 4.0 von Oracle Virtual Box wurde das Problem wesentlich entschärft. Völlig gelöst ist es aber noch nicht. Beispielsweise hängt sich Samsung Kies auf.
  • Laut Microsoft muss man seine Windows-XP-Version erst mal vier Wochen ruhen lassen, ehe man sie auf einem anderen Rechner verwenden darf. Und als Rechner gilt auch eine virtualisierte Installation. Aber wer seiner Umgebung bei Rechnerproblemen hilft, bekam mittlerweile bei Umstiegshilfen auf neue Hardware genug Windows-XP-Lizenzen geschenkt, wenn er wollte. Oder man bedient sich bei Ebay für 15 EUR oder so.
  • Die gewohnten Querverbindungen zwischen den Programmen funktionieren natürlich nur innerhalb eines Betriebssystems. Wenn ich also Mails in Outlook lese und auf einen Link klicke, gehen z.B. der Acrobat Reader oder Firefox unter Windows auf. So lange man also seine Outlook-Installation noch nicht in Thunderbird nachgebildet hat, wird man so manches Dokument unter Windows speichern und unter Linux neu öffnen müssen.
  • Theoretisch funktioniert die Zwischenablage übergreifend - also von einer virtuellen Maschine zur anderen und auch mit dem Host-Betriebssystem. Das funktioniert bei mir aber eher zufällig. Vermutung: Die Windows-Zwischenablage übernimmt beim Kopieren die markierte Information in so vielen Formaten wie überhaupt möglich, auf dass die empfangende Applikation sich etwas möglichst Passendes aussuchen kann. Diese vielen Informationsinstanzen werden aber wohl nicht alle gelöscht, wenn man wieder mal Strg-C drückt. Dann sucht sich die empfangende Applikation womöglich etwas Veraltetes aus und man meint, das Kopieren habe nicht funktioniert.
  • Oracle Virtual Box liest bei ALT-Tastenkombinationen mit. Bestimmte Windows-Programme funktionieren deshalb erst dann vernünftig, wenn die virtuelle Maschine mit der Virtual-Box-Tastenkombination HOST-F auf randlos gestellt hat.
  • Die Virtualisierung kostet ganz klar Rechenleistung. Wer die 1-Gbit/s-Netzwerkverbindung der Hardware vom virtualisierten Betriebssystem aus auslasten will, sollte ganz deutlich in Rechenleistung investieren.
  • Zeitweilig friert eine meiner Windows-XP-Installationen in ihrer virtuellen Maschine ein, wenn ich den Rechner zwischendurch schlafen schicke. Dann schaltet man halt die virtuelle Maschine ab und startet sie neu. Datenverluste hatte ich dabei nur in der Form, dass die vorher geöffneten Fenster natürlich nicht mehr da sind.
  • Für den völlig unbedarften User ist diese Lösung nichts, denn man muss schon verstehen, warum Gleiches unterschiedlich (Firefox unter Windows XP und Ubuntu) und Unterschiedliches gleich (Eigene Dateien und /~home/Eigene_Dateien) sein kann. Die Fensterrahmen der unterschiedlichen Betriebssysteme sehen unterschiedlich aus und bei Ubuntu liegt die Menüleiste des jeweilig aktiven Programms immer an der gleichen Bildschirmstelle und eben nicht im aktiven Fensterrahmen. Und dann kann ein Windows-XP-Fenster aktiv sein, während man aber statt dessen in einem Ubuntu-Fenster arbeitet. Das erfordert schon etwas vertieftes Wissen.

Ansonsten bin ich ausgesprochen positiv überrascht: An den binären Betrieb habe ich mich ganz gut gewöhnt. Ich konnte nach der Installation des Rechners kontinuierlich arbeiten und kann mir ansonsten Zeit lassen: Immer wenn ich etwas Muße habe, steige ich wieder mit einem Teil meiner Arbeiten nach Linux um.

Endgültiger Abschied von Windows XP?

Wie es aussieht, wird Windows XP bei mir noch ziemlich lange laufen. Denn es gibt ein paar Progamme, die sich bestenfalls mit großen Komforteinbußen umstellen lassen. So pflege ich die meisten meiner Websites (auch diese!) schon seit dem letzten Jahrtausend mit völlig veralteten Produkten der Firma Schema - bis heute meiner Meinung nach unübertroffen! Meinem Schematext 2 konnte ich bislang nur beibrigen, HTML-Instanzen mit dem Internet Explorer zu öffnen und den kriege ich unter Linux sicher nicht zum Laufen.

Aber die Sicherheitsprobleme von Windows XP bekomme ich mit meiner Lösung in den Griff: Im April 2014 nehme ich meinen Windows-XP-Maschinen den Netzwerkzugriff weg - mit Oracle Virtual Box, nicht mit Windows-Hilfsmitteln. Dateien gehen dann nur noch über Eigene Dateien rein und raus und diesen Verzeichnisbaum kann ich ja anderweitig auf Viren prüfen.

TOP
Alexander von Obert * http://www.techwriter.de/thema/windowsx.htm
Letzte Änderung: 04.03.13 (Erstfassung)


Startseite
Suche

Tips und Tricks (Software)

Bemerkungen zum ZIP-Format
Datensicherung und Archivierung
Installationsarchive mit IExpress erstellen
Kleine Programmiertips
Newsletter "PC-Tipps"
Partitionen verändern
USB-Memory-Stick (USB-Speichermodul) FAQ - Teil 2: Software
USB-Memory-Stick (USB-Speichermodul) FAQ - Teil 3: Betriebssysteme und USB-Memory-Stick
Windows XP virtualisieren mit Oracle VirtualBox
Windows-CDs "entdongeln"
Windows-Installation optimieren
Windows-Rechner sinnvoll installieren
Zeitschriften-CD sammeln