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Zu den beliebtesten Tipps in Computer-Zeitschriften gehören Tuning-Hinweise.
Das Wenigste davon ist das Papier wert, auf dem es gedruckt
ist. Denn meist geht es um Beschleunigungen von wenigen Prozent und das nur zu oft mit dem Risiko,
dass das System anschließend irgendwo klemmt. Deshalb hier einige Tipps, die das Arbeiten merklich
beschleunigen, d.h. wenigstens in bestimmten Betriebszuständen zumindest 20% Beschleunigung bieten.
Alles unter dieser Schwelle ist ohne Stoppuhr nicht festzustellen.
Die Routine-Wartung
Neben der Datensicherung gehören einige
Reinigungsmaßnahmen zu den Routinetätigkeiten, die man regelmäßig erledigen sollte:
- Mit der Datenträgerbereinigung (Start/Alle Programme/Zubehör/Systemprogramme) kann man eine Menge
Datenschrott von der Platte putzen. Gewöhnlich kann man die Voreinstellungen einfach übernehmen. Dateien,
die der Rechner nicht mehr verwalten muss, können ihn auch nicht mehr beschäftigen. Dieser Schritt
beschleunigt auch den nächsten:
- Mit der Defragmentierung (Start/Alle Programme/Zubehör/Systemprogramme) bringt man verwaltungsmäßige
Ordnung auf die Platte. Dazu muss man wissen, dass Windows durchaus zurecht die Informationen über die
Platte verteilt. Spätestens beim Löschen von Dateien und Verzeichnissen entstehen Löcher, d.h.
belegte und unbelegte Speichereinheiten (Cluster) wechseln sich ab. Diese Cluster füllt Windows später
wieder, wenn weitere Informationen gespeichert werden sollen. Weil manche Dateien größer sind als die
zusammenhängenden Cluster, in dem sie ursprünglich angelegt wurden, wird so manche Datei auf viele Stellen
der Festplatte aufgeteilt. Dadurch wird es immer aufwändiger, auf die Dateien zuzugreifen. Das
Systemprogramm Defragmentierung sortiert die Information auf der Platte so, dass Zugriffe möglichst schnell
werden. Windows treibt hier eine Menge Aufwand und merkt sich, in welcher Reihenfolge Informationen immer
wieder gelesen werden. Spätestens wenn der Windows Explorer ewig braucht um den Inhalt eines
Verzeichnisses anzuzeigen, ist Defragmentierung angesagt. Es gibt aber auch Alternativprgramme wie
O&O Defrag.
- Diverse Autostart-Mechanismen ermöglichen es Programmierern, ihre Programme schon beim Hochfahren
des Rechners starten zu lassen. Diese Möglichkeiten sind höchst sinnvoll, denn so wird z.B. der Virenscanner
gestartet. Aber einmal treibt hier auf vielen Rechnern längst vergessene Software ihr Unwesen. Und außerdem
ist das ein Einfallstor für Schadprogramme. Der Autostart-Ordner (Start/Alle Programme/Autostart) ist nur
eine (genau gesagt zwei) der Möglichkeiten. Deshalb ist es sinnvoll, sich von einem Programm wie
Autostart-Manager helfen zu lassen. Leider ist es für die meisten recht schwer zu
entscheiden, welche Programme wirklich bei jedem Systemstart geladen werden müssen und welche nicht.
Hilfestellung gibt es, wenn man nach dem entsprechenden Programmdateinamen im Internet sucht.
Wer sich etwas weiter traut, kann über Start/Ausführen... das Programm msconfig aufrufen.
Auf der Karte Systemstart müssen Firewall und Virenscanner erhalten bleiben. Alles andere hier ist für
Windows nicht lebenswichtig [1] und kann relativ problemlos abgewählt werden.
Erwischt man hier zu viel, kennt die Maus ihre dritte und vierte Taste nicht mehr und einige Icons in der
Tastleiste verschwinden - natürlich erst nach dem nächsten Neustart. Denn genau dort greift der hier
beschriebene Mechanismus.
- Alle paar Jahre ist es sinnvoll, den Rechner komplett neu zu installieren. Nur so wird man
zuverlässig all den Schrott auf der Platte und in der Registry wieder los. Wohl dem, der einen
Rechner sinnvoll eingerichet hatte
und ein Image-Backup einer jungfräulichen Windows-Installation seines Rechners auf CD besitzt.
Weniger Programme laufen schneller
Natürlich ist es bequem, alle öfter mal benötigten Programme zu laden und nur noch zwischen den Programmen
hin- und herzuklicken. Auch unterstützen das manche Programmierer, indem sie in ihre Installationsroutinen
eine Preload-Funktion einbauen - Office-Produkte sind dafür typische Kandidaten. Wer solche Möglichkeiten
nutzt braucht sich nicht zu wundern, wenn der Rechner zum Start immer länger braucht.
Zudem belastet jedes geladene Programm den Rechner - und wenn es nur
Arbeitsspeicher belegt und nicht mehr hergibt. Spätestens wenn beim Programmwechsel der Bildschirm einfriert und
die Festplatte vor sich hin bullert, sollte man das eine oder andere Programm schließen.
Vielleicht doch etwas an der Hardware tun?
Wenn man die richtige Schwachstelle erkennt, kann man einen PC recht preiswert zu mehr Leistung
verhelfen. Das gilt eigentlich nur in einem Fall nicht: Wenn tatsächlich die Rechenleistung knapp wird.
Eine Diagnose ist recht leicht mit dem Ohr zu stellen: Wenn der Rechner über Sekunden hinweg einfriert
und die Festplatte rattert, kann mehr Arbeitsspeicher helfen. Weniger als 512 MB RAM sollte heute kein Rechner
mehr haben und in vielen Fällen ist 1 GB keine Verschwendung. Mehr als 2 GB können aber nur die wenigsten
Rechner sinnvoll nützen.
Mehr RAM hilft übrigens nicht beim Hochfahren des Rechners; da ist das Ausräumen der Autostarts zuständig.
Alle Information muss schließlich erst mal
von der Festplatte gelesen werden. Ist aber genügend Arbeitsspeicher vorhanden, braucht der Rechner später keine
Inhalte auf die Platte auszulagern oder wiederholt zu laden. Schließlich ist Arbeitspeicher etwa 10.000 mal so
schnell wie die Festplatte.
Wer aktuelle Spiele nutzen will, wird sich regelmäßig nach einer neuen Grafikkarte sehnen. Abgesehen von
aktuellen Spielen gibt es aber nur sehr wenige Fälle, in denen sich hier eine Aufrüstung lohnt.
Eine andere Beschleunigungsmethode ist eine zweite Festplatte. Theoretisch könnte man die zwei
Festplatten in Form eines RAID-O-Arrays zusammenschalten. Das ist aber wohl in den meisten Fällen die
Scherereien auch dann nicht wert, wenn die Hauptplatine das unterstützt:
- Wenn eine der Platten ausfällt, sind alle Informationen verloren.
- Ein RAID-0-Array hat regelmäßig mit Treiber- und Kompatibilitätsproblemen zu kämpfen - spätestens
bei der nächsten Systemaufrüstung.
- Wartungsarbeiten sind alles andere als trivial.
Trotzdem kann man mit einer zweiten Festplatte den Rechner beschleunigen, indem man die Informationen passend
verteilt - etwa Videodaten auf die eine und die Auslagerungsdatei auf die andere Platte und jede Platte auf
einen eigenen Kanal. Das erhöht nicht nur die Übertragungsrate, sondern senkt auch die Zahl der benötigten
Kopfbewegungen.
Weniger Erfolg versprechend als früher ist der Austausch des Prozessors: Die Hersteller brachten in den
letzten Jahren in rascher Folge neue Prozessorsockel heraus, so dass es für eine drei Jahre alte Hauptplatine
womöglich keinen Prozessor mehr zu kaufen gibt. Das waren noch Zeiten, als man einen 90-MHz-Pentium-I durch
einen 360-MHz-K6/2 ersetzen konnte...
Auch diverse andere Komponenten haben heute andere Bauformen, so
dass hier schnell eine neue Hauptplatine, neuer Hauptspeicher, eine neue Grafikkarte und eine neue Festplatte
fällig werden. Dann ist es meist sinnvoller, für das bisherige Arbeitstier eine leichtere Aufgabe zu
suchen und sich einen neuen Rechner zuzulegen. Arbeiten für Rentner gibt es genug - vom Musik- und
Videoserver bis zur Firewall.
Beschleunigung des Benutzers
Ein großes Beschleunigungspotential bieten bessere Arbeitstechniken. So sollte man die wichtigsten
Shortcuts kennen, also Tastaturkürzel:
- Zwischenablage: Strg-C (kopieren), Strg-X (ausschneiden), Strg-V (einfügen)
Diese Kürzel funktionieren zudem häufig, wenn keine entsprechenden Schaltflächen zur Verfügung
stehen - etwa in Standarddialogen wie "Datei öffnen".
- Programm beenden: ALT-F4
- Start-Menü öffnen: Strg-ESC
- Fensterinhalt aktualisieren: F5
- Windows Explorer öffnen: Windows-E
- Alle Fenster minimieren: Windows-D
- Menü öffnen: Alt-[unterstrichener Buchstabe], also z.B. ALT-D für Datei-Menü.
Die einzelnen Menüoptionen sollten nach Microsoft-Vorgaben ebenfalls unterstrichene Buchstaben enthalten.
In den Menüs stehen häufig auch Shortcuts für bestimmte Funktionen drin. Datei/Drucken lässt sich also
häufig mit Alt-D, D aufrufen oder auch direkt mit Strg-P.
- Dateien lassen sich häufig per Ziehen und Ablegen (drag & drop) verschieben - vom Mail-Anhang
in den Windows Explorer oder vom Desktop auf ein Programm-Icon.
Diese Liste ist keineswegs vollständig. Viele Programmierer haben hier auch ganz eigene Ideen. Da hilft nur, die
Menüoptionen genau zu studieren und ins Handbuch oder die OnlineHilfe zu sehen.
Manche Dinge lassen sich auch von der Kommandozeile schneller erledigen als mit der grafischen Oberfläche. Aber
wer kann heute noch mit XCOPY, REN oder gar FOR umgehen? Noch schneller geht manches mit mehr oder weniger
komplexen Programmiersprachen, die es in manchen Programmen (Visual Basic for Applications, Framescript usw.)
oder als eigenständige Produkte gibt. Hier bietet der Markt eine reiche Auswahl an Werkzeugen, die immer
wiederkehrende Aufgaben automatisieren. Oft ist die Laufzeit solcher Routinen überhaupt nicht wichtig - da lohnt
sich eine Kaffeepause sowieso.
Wann der Anschlag erreicht ist
Wir machen immer komplexere Dinge mit unseren Rechnern. Deshalb stößt man früher oder später an harte
Grenzen. Zumeist geht es hier um die reine Rechenleistung oder alte Schnittstellen. Ein 1-GB-USB-Stick ist
an einem USB-1.1-Anschluss nur noch quälend langsam und braucht bei Windows 98SE einen Treiber, den immer
weniger Hersteller mitliefern. Auf einem 400-MHz-Rechner bauen sich die Urlaubsbilder so langsam auf, dass man
gaaanz gemütlich zusehen kann. Unterhalb von 1,5 GHz Prozessortakt lässt sich ein Rechner kaum als Videorecorder
nutzen.
Anders als vor 10 oder 20 Jahren lohnt dann ein Aufrüsten kaum noch. Auch bekommt man schon für 500 EUR Rechner,
die den Boliden von vor fünf Jahren problemlos abhängen.
Literaturhinweise
- [1] Vahldiek, Axel; Hoppe, Christoph: Mit erhöhter Schlagzahl. Tipps und Tricks
für Windows XP aufdem Prüfstand
- In: c't 17/05, S. 102ff
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