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Fast jeder Computerhändler stellt vor allem die Taktfrequenz der CPU heraus.
Aber ist schneller auch wirklich besser?
Die Prozessor-Taktraten der handelsüblichen Rechner unterscheiden sich vielleicht
im Verhältnis 1:2 - die Boliden erreichen gerade die 3 GHz-Grenze;
unterhalb von 1 GHz wird man wohl nur noch Angebote finden aus Teilen,
die der Händler beim Zusammenkehren des Lagers fand.
Ganz grob genähert: Die Hälfte der Takterhöhung kommt auch beim Benutzer an,
ein 3 GHZ-Rechner ist bei sonst gleicher Ausstattung doppelt so schnell wie ein
1 GHz-Rechner.
Allerdings gibt es zahlreiche weitere Kriterien, die die Geschwindigkeit beeinflussen:
- Um rund zu laufen, benötigt der Rechner genügend RAM. Mittlerweile ist
RAM
aber so billig, daß kaum ein Hersteller weniger als 256 MB einbaut.
Mehr braucht man wirklich nur dann, wenn man mehrere dicke Anwendungen
gleichzeitig im Speicher halten will oder Platzfresser wie große Grafiken
bearbeiten will.
- Der schnellste Zwischenspeicher sitzt direkt in der CPU. Jeder der beiden
großen Hersteller bietet eine CPU-Serie mit mehr (Pentium, Athlon) oder weniger
(Celeron, Duron) first-level cache
an. Im praktischen Betrieb
führt das bei gleicher Taktfrequenz zu 10-20% Leistungsunterschied.
Anders ausgedrückt: In den meisten Fällen kann man den Unterschied zwischen
einem Pentium- oder Celeron-Rechner kaum spüren, nur messen.
Bei extrem rechenintensiven Funktionen mit sehr wenig Datenverkehr
kann das anders aussehen. Aber wer läßt schon dauernd Apfelmännchen berechnen?
- Der Einflüß der
Festplattengeschwindigkeit ist bei vielen typischen
Büroanwendungen zu vernachlässigen: Selbst wenn sich die aktuellen Festplatten
durchaus deutlich unterscheiden, kommt durch die intensive Zwischenspeicherung
(Plattencache) des Betriebssystems kaum etwas davon beim Benutzer an.
OK, am Morgen, beim erstmaligen Laden der Werkzeuge, merkt man's schon...
Die meisten modernen Festplatten enthalten ein sg. noise management.
Unter Verzicht auf etwas Leistung kann man damit die Zugriffsgeräusche
der Platte deutlich reduzieren. Die Platten merken sich diese Einstellung,
einmalige Anwendung eines entsprechenden Werkzeugs, z.B. der
Festplattenutilities von IBM, genügt.
- Ein Grafiksystem mit shared memory kostet
typisch 20% Geschwindigkeit:
Hier wird ein Teil des Hauptspeichers (RAM) als Bildschirmspeicher abgezweigt.
Damit streiten sich dann CPU und Grafik um die Ressource mit dem größten
Übertragungsvolumen, was auch andere Probleme auslösen kann. Ich würde lieber
ein 800 MHz-System mit eigenem Grafikspeicher nutzen als ein 933 MHz-System
mit shared memory.
Die Kehrseite der Geschwindigkeit
Die jeweils schnellsten Rechner einer Generation kosten typisch doppelt so viel
wie die mit dem größten Marktvolumen, bieten aber bestenfalls 30% mehr Leistung.
Am meisten Leistung für die Mark bekommt man also mit einem System, das es in dieser
Form auch schon vor einem halben oder einen dreiviertel Jahr gab. Jeder muß selber
entscheiden, ob ihm dieser Vorsprung einen solchen Wertverlust wert ist.
Vielleicht hat der Chef auch gerade die Spendierhosen an,
wird dann aber drei Jahre lang keinen neuen Rechner genehmigen.
Die leistungsfähigsten Rechner sind auch die leistungshungrigsten.
Entsprechend steigt die Stromrechnung, was allerdings meist nicht das entscheidende
Problem ist: Eine solche CPU gibt, bezogen auf ihre Oberfläche, mehr Hitze ab
als eine Herdplatte. Dabei darf sie aber nicht wärmer werden als etwa 70 Grad.
Das gelingt nur mit aufwendigen Kühleinrichtungen, sprich Ventilatoren.
Und die machen recht heftig Krach. Ähnliches gilt auch für die Festplatten:
Die schnellen Serverplatten machen heftig Radau.
Eine früher völlig unübliche Wärmequelle sind heute die Grafikkarten:
Um bewegte, realitätsgetreue, räumliche Bilder auf den Bildschirm zu bringen,
setzen heutige Grafikkarten etwa so viel Verarbeitungsleistung wie die CPU ein.
Entsprechend muß auf den Grafikchip ein
Lüfter drauf. Und weil die Grafikkarte in einem Steckplatz steckt,
muß der Lüfter klein sein, also schnell drehen.
Natürlich gibt es Fälle, da braucht mal jedes Quentchen Rechenleistung:
- Wenn bestimmte Vorgänge immer wieder 10 min dauern,
addieren sich drei Minuten weniger pro Durchlauf
schnell zu eingesparten Arbeitsstunden.
- Wenn der Bildschirm immer wieder 5 s zum Neuaufbau braucht,
bedeuten 2 s weniger die Schwelle zum flüssigen Arbeiten.
- Wenn Multimedia-Anwendungen stocken, dann muß wohl was passieren
(auch wenn da ein paar vernünftige Einstellungen Wunder wirken können).
Fazit: In den meisten Fällen lohnt es kaum, einen besonders schnellen
Rechner zu kaufen. Für Büroanwendungen ist eine aktuelle 3D-Grafikkarte überflüssig und unnötig laut.
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