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Was ist Internet-Radio?


Wer sich mit herkömmlichem Radioempfang jenseits der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und der lokalen Dudelradios beschäftigt, kommt immer weniger auf seine Kosten: Die BBC stellte ihren deutschen Dienst bereits 1999 ein. Selbst wer ausreichend Englisch kann, hat in weiten Teilen Deuschlands mit dem BBC World Service auf 648 kHz (Mittelwelle) östlich der Linie Hannover - Frankfurt/M. wenig Spaß. Auf Kurzwelle kann man die BBC hier zulande mittlerweile komplett vergessen. Bei vielen anderen Sendern sieht es nicht anders aus.

Erste Alternative: Satelliten-Radio

Eine höchst reizvolle Alternative zum Radioempfang auf Mittel- und Kurzwelle ist das Radiohören per Satellit. Hier gibt es eine riesige Programmauswahl - mit einer Einschränkung: Ohne eigene Schüssel geht nichts.

Gegenüber dem, auf das sich der Rest dieser Seite konzentriert, hat Satellitenradio folgende Vorteile:

  • Keine laufenden Kosten, z.B. für die Internet-Flatrate
  • Keine Datenschutzprobleme, weil niemand den Empfang bemerken kann.

Zweite Alternative: Radio hören über das Internet

Wer eine Internet-Flatrate hat, der kann über das Internet viele 1000 Rundfunkstationen empfangen und noch viel mehr vorgefertigte Beiträge abrufen. Praktisch jeder Rechner enthält heute eine Soundkarte und Lautsprecher anschließen ist sicher kein Problem. Laptops enthalten so gut wie immer Lautsprecher, auch wenn mit denen Musik hören sicher wenig Spaß macht.

Der Dudelfunk im Internet: Audio-Streaming

Wer eine bestimmte Musikrichtung hören will, stellt seinen Empfänger auf eine bestimmte Internet-Radiostation ein und lässt die laufen wie am Radio. Das ist wohl der bevorzugte Weg, wie Internet-Radio konsumiert wird. Es gibt auch Software, mit deneren Hilfe man die Sendungen mitschneiden kann, als legale Alternative zum File-Sharing. Die Internet-Radios liefern häufig genaue Playlisten mit. Es ist also auch kein großes Problem, bestimmte Stücke aufzunehmen. Man muss bei einer entsprechenden Station nur so lange warten, bis der Titel ausgestrahlt wird.

Der moderne Mitschittservice: Podcast

Anders als beim Audio-Streaming lädt man sich hier z.B. eine MP3-Datei herunter und hört sich die an. Dabei gibt es zwei Alternativen:

  • Speziell wer einen MP3-Player oder Ähnliches benutzen will, lädt sich die Audio-Datei herunter, kopiert sie vom Rechner auf seinen MP3-Player und hört sich die Sendung z.B. in der U-Bahn an. Daraus erklärt sich auch der Name: "Pod" für den MP3-Player (vgl. "iPod") und "Cast" von "Broadcast", also Rundfunk.
  • Wer den Podcast mit einem Gerät hören will, das ständig mit dem Internet verbunden ist, der kann die Datei schon während des Herunterladens anhören. Das erspart die Wartezeit, bis die ganze Datei da ist - ein Puffer für z.B. 10 s Wiedergabe, der die typischen Stockungen im Internet unhörbar macht, ist in wenigen Sekunden gefüllt. So kann man auch einfach von einem Sender zum anderen umschalten: Nach wenigen Sekunden ertönt das neue Programm. Solche Pausen sind für digitale System typisch; auch DVB-T hat damit zu kämpfen.

Audio-Streaming ist relativ aufwändig und vorzugsweise für solche Programmproduzenten interessant, die einen wesentlichen Teil des Tages auf Sendung sind. Wer etwa jede Woche 30 min Programm erstellt, wird das vorzugsweise als Podcast zur Verfügung stellen. Große Sender, etwa die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, bieten beide Möglichkeiten: Man kann entweder das laufende Programm per Audio-Stream beziehen oder sich gezielt bestimmte Sendungen als Podcast herunterladen - und so die Sendung zu jedem beliebigen Zeitpunkt und auch ohne Internetanschluss hören.

Internet-Radio mit dem Computer empfangen

Praktisch jeder mit dem Internet verbundene PC kann Internet-Radio wiedergeben. Der Windows Media Player kann das, allerdings auch noch mehr: Er telefoniert nach hause. Von daher benutzen viele Hörer von Internet-Radio alternative Programme, denn wen geht mein Musikgeschmack etwas an? Erst recht gilt das für Wortbeiträge, für deren Auswahl sich womöglich ein Geheimdienst oder Strafermittler interessiert.

Irgendwie ist Radiohören mit dem PC umständlich: Erst muss man den Rechner anwerfen, dann das entsprechende Programm starten usw. Spätestens wenn man sich von Internet-Radio wecken lassen möchte, stößt diese Lösung auf Grenzen.

Internet-Radio mit eigenen Empfangsgeräten hören

Mittlerweile kann man Internet-Radio auch ganz ohne Rechner hören. Es gibt Geräte mit Ethernet-Steckdose oder WLAN-Antenne, die sich direkt mit dem Accesspoint verbinden und sich mehr oder weniger wie ein Radio bedienen lassen - Infrarot-Fernbedienung eingeschlossen.

Relativ weit gedacht hat dabei der Hersteller des Muvid IR 715, der gut den Tuner einer Stereoanlage ersetzen kann:

  • Das Gerät enthält einen UKW-Tuner für herkömmlichen Rundfunkempfang. Auf Mittelwelle kann man gerade hier ohne ernsthafte Einschränkung verzichten.
  • Ein DAB-Tuner liefert die digitale Alternative zum UKW-Rundfunk, die bei uns aber immer noch weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet. Die meisten damit empfangbaren Programme gibt es auch per UKW. Wer z.B. im Sendebereich des Südwestrundfunks wohnt, kann nur so SWR cont.ra in vernünftiger Klangqualität hören, weil dieses Wortprogramm sonst nur auf Mittelwelle zu empfangen ist.
  • Per uPnP und Netzwerk oder per USB-Stick kann man auf seine Musiksammlung zugreifen, wobei das relativ große Display bei der Auswahl hilft.
  • Schließlich kann das Gerät auch noch Internet-Radio - sowohl mit Audio-Streams als auch Podcasts.
  • Auch ein Wecker ist eingebaut. Der funktioniert aber nur, wenn man neben diesem Gerät auch noch die Stereoanlage durchlaufen lässt - da verlasse ich mich dann doch lieber auf die Schaltuhr in der Saftleitung eines herkömmlichen Radios.

Einen genaueren Praxisbericht werde ich wohl noch liefern - einstweilen muss ich erst noch Erfahrungen sammeln. Der vieeele leere Raum im Gehäuse bringt mich bestimmt noch auf Ideen...

Internet-Radiostationen finden

Radiostationen im Internet und auch Podcasts findet man an vielen Stellen, nicht nur auf den Websites der entsprechenden Sender. Beispielsweise Frontier Silicon, der Hersteller von Spezialchips für Internet-Radios, betreibt eine Website mit Verweisen zu Internet-Radios. Die Motivation dieses Betreibers ist relativ klar: Er verhilft so den Geräten mit seinen Chips zu speziellen Eigenschaften. Bei anderen Anbietern ist mir das Geschäftsmodell nicht so eingängig.

Viele der eigenständigen Internet-Radioempfänger verlassen sich auch solche Server. Dort muss man sich anmelden, im obigen Fall aber nur eine E-Mail-Adresse hinterlassen. So kann man viele Einstellungen komfortabel mit dem PC machen, ohne dass der Empfänger so sehr viele Einrichtungen enthalten müsste. Wie sehr das mit dem Datenschutz vereinbar ist, muss wohl jeder für sich entscheiden.

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Alexander von Obert * http://www.techwriter.de/thema/wasistin.htm
Letzte Änderung: 11.04.09 (Erstfassung)


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