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Urheberrecht


Regelmäßig stoße ich bei Kollegen auf recht eigenwillige Vorstellungen zum Begriff Urheberrecht – speziell bei Übersetzern. Wie wir sehen werden, ist das Urheberrecht für Technische Redakteure eigentlich kein Thema.

Weil das Urheberrecht gerade in den Medien so hochkocht: Der aktuelle Anlaß ist, daß kopiergeschützte Musik-CDs und (Film-) DVDs nicht mehr kopiert werden sollen – konkret: Der Kopierschutz darf nicht umgangen werden. Das kann aber wohl kaum bedeuten, daß man einen Titel nicht mehr vom Radio aufnehmen darf. Und wenn man das Analogsignal von der Steroanlage abnimmt und der Soundkarte zuführt? Recht beachtliche Klangqualität ist so auch möglich...

Was ist das Urheberrecht und was ist es nicht?

Das Urheberrecht soll geistige Schöpfungen schützen. Ein zentraler Begriff dabei die Schöpfungshöhe: Ein geistiges Werk unterliegt genau dann dem Urheberrecht, wenn es die dafür nötige Schöpfungshöhe hat, also eine eigenständige geistige Schöpfung des Autors ist.

Das ist die komplette Voraussetzung! Der Urheberrechtsschutz gilt ab dem Augenblick, zu dem das geistige Werk für andere wahrnehmbar ist. Grundsätzlich sind irgendwelche Anmeldeaktionen (wie nach dem amerikanischen Copyright) überflüssig. Die nachvollziehbare Dokumentation des Schöpfungsvorgangs ist aber sinnvoll, damit der Schöpfer seine Urheberschaft nachweisen kann.

Ursprünglich war das Urheberrecht für literarische Werke gedacht. Das Urheberrecht gehört auch zu den frühen internationalen Rechtsbegriffen - seit der Berner Übereinkunft aus dem späten 19. Jahrhundert. In der Zeit davor hatte der Schöpfer eines Werks keinerlei Schutz, wie das Beispiel der Schedelschen Weltchronik aus dem 16. Jahrhundert zeigt.

Ein geistiges Werk hat die nötige Schöpfungshöhe nicht, wenn es eine mehr oder weniger zwingende Folge von anderweitigen Vorgaben ist. Juristenwitz: Wann unterliegt ein juristischer Schriftsatz dem Urheberrecht? Wenn er so haarsträubend ist, daß er eine eigenständige Schöpfung des Autors ist. Ein ernstzunehmender juristischer Schriftsatz hat sich an die herrschende Meinung zu halten und ist folglich keine eigenständige Schöpfung des Autors.

Genau deshalb unterliegen Bedienungsanweisungen nur ausnahmsweise dem Urheberrecht. Sie beschreiben vorgegebene Zusammenhänge auf eine handwerklich definierbare Weise. Das heißt nicht, daß Bedienungsanleitungen völlig ungeschützt wären: Druckt Ihr Konkurrent Ihre Bedienungsanleitung oder Ihren Katalog mehr oder weniger unverändert nach, verstößt er beispielsweise gegen das Wettbewerbsrecht.

Die Bestandteile des Urheberrechts

Das Urheberrecht besteht aus zwei Teilen:
  • Die Persönlichkeitsrechte stehen ausschließlich dem Autor zu. Er kann sie nicht verkaufen, höchstens vererben. Zu den Persönlichkeitsrechten gehört das Recht auf Nennung seines Namens oder auf die Unversehrtheit des Werkes. So kann ein Autor verbieten, daß sein Werk auf die neue Rechtschreibung umgestellt wird. Ob er das beim Herausgeber durchsetzen kann, ist eine andere Frage.
  • Die Verwertungsrechte kann der Autor weitergeben, sie also z.B. an einen Verlag verkaufen. Der Inhaber der Verwertungsrechte kann allein bestimmen, in welcher Form das Werk vervielfältigt werden darf.
Der letzte Satz sollte so manchem Mißverständnis den Boden entziehen: Daraus, daß der Inhaber der Verwertungsrechte an einer bestimmten Stelle oder unter bestimmten Umständen eine kostenlose Vervielfältigung zuläßt, können keinerlei weitergehende Vervielfältigungsrechte abgeleitet werden!

Das führte schon mehrfach zu Auseinandersetzungen in meiner Mailingliste u-litfor, etwa als die Auseinandersetzung zwischen Karin Krieger und dem Piper-Verlag durch die Presse ging: Eine Zeitung machte ihren Artikel in ihrer Website zugänglich. Auf die Wiedergabe über die Mailingliste reagierte ich ausgesprochen hart und warf den Schuldigen aus dem Verteiler – ein entsprechender Hinweis steht seit langem im FAQ von u-litfor. Ein Hinweis auf die URL des Artikels dagegen war völlig OK.

Urheberrecht und Software

Das Urheberrecht wurde zwar nicht dafür geschaffen, aber darauf ausgedehnt: den Schutz von Software. Die Nachteile dieser Konstruktion bemerkte Microsoft im Jahr 2000 und reagierte mit höchst kundenunfreundlichen Methoden. Diese deutsche Rechtskonstruktion ist völlig anders als die amerikanische. Das führt dazu, daß wesentliche Teile der meisten Software-Lizenzverträge nach hiesigem Recht unzulässig sind.

So versuchen manche Hersteller, den Weiterverkauf von Software zu verbieten. Diese Beschränkung ist regelmäßig unzulässig, weil die Verleihung eines zeitlich unbegrenzten Nutzungsrechtes gegen Zahlung einer einmaligen Gebühr als Kauf gilt und der Inhaber der Urheberrechte mit dem in Verkehr bringen der Lizenz seine Rechte verwirkt hat – abgesehen vom Recht der Vervielfältigung.

Urheberrecht und Übersetzer

Das Übersetzen eines urheberrechtlich geschützten Werkes kompliziert die juristischen Zusammenhänge, weil die Urheberrechte des Autors und des Übersetzers nebeneinander stehen: Das Übersetzen eines urheberrechtlich geschützten Werkes ist eine eigenständige geistige Schöpfung.

Die Frage, ob übersetzt werden darf, betrifft wohl wesentlich die Persönlichkeitsrechte des Autors – schließlich wird sein Werk dabei verändert und dagegen kann er sich wehren. Die Verwertung der Übersetzung betrifft auch die Verwertungsrechte des Autors. Daneben steht das komplette Urheberrecht des Übersetzers.

Für mich ist es immer wieder geradezu erschütternd, wie wenig gerade literarische Übersetzer sich mit dem Urheberrecht auseinandersetzen. Sie akzeptieren einfach die Verträge der Verlage und machen sich keinerlei Gedanken über ihre rechtlichen Möglichkeiten. So könnten sie die Verwertungsrechte nach einer gewissen Zeit zurückrufen und sich so die Möglichkeit schaffen, ein vergriffenes Werk nach ein paar Jahren in einem anderen Verlag wieder zu veröffentlichen.

So lange sich diese Berufsgruppe in so großem Maß als Künstler ohne materielle Interessen begreift, wird sich an den erbärmlichen materiellen Randbedingungen nichts ändern: Als Raumpfleger zu arbeiten ist gewöhnlich profitabler.

Verweise:

[1] Harke, D.: Ideen schützen lassen? Patente – Marken – Design – Werbung – Copyright.
München, 2000 [Beck-Rechtsberater im dtv, ISBN3-423-05642-8, DM 29,80]
[2] Informationen zum Urheberrecht im Internet
zusammengestellt vom Institut für Rechtsinformatik der Universität des Saarlandes
[3] Institut für Urheber- und Medienrecht e.V.
[4] Hansen, Sven; Heidrich, Joerg: Alles bleibt anders - Neues urheberrecht verunsichert Verbraucher
In: c't 21/2003, S. 60ff
[5] BVDW: Materialien zum Urheberrecht
[6] iRights – Unrheberrecht in der digitalen Welt
[6] Himmelein, Gerald; Heidrich, Joerg: Die Grenzen des Erlaubten. Ratgeber: Privatkopien, Tauschbörsen, Abmahnungen
In: c't 5/2006, S. 110ff
[7] (Ohne Autorenangabe): Was tun, wenns brennt? Erwachsene und Kinder tauschen Musik, Filme und Spiele illegal im Internet. Es hagelt Anzeigen. So reagieren Sie richtig.
In: Finanztest 5/06, S. 22ff
[8] Cebulla, Manuel: Das Urheberrecht der Übersetzer und Dolmetscher
Berlin 2007 (173 Seiten, 23,- EUR, ISBN 978-3-86573-319-1)
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Alexander von Obert * http://www.techwriter.de/thema/urheberr.htm
Letzte Änderung: 11.01.11 (bereinigt)


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