Umweltverbände weisen immer wieder darauf hin, daß ein ganz wesentlicher Teil
des deutschen Stromverbrauchs von
ausgeschalteten Geräten verursacht wird.
Die meist genannten Beispiele sind Fernseher im Standby-Betrieb,
die sich jederzeit per Fernbedienung wieder einschalten lassen; im Schnitt läßt
sich jeder Haushalt diesen Komfort 70 EUR im Jahr kosten. Das kostet jedes Jahr
in Deutschland 2 Milliarden EUR und lastet rechnerisch zwei Kernkraftwerke aus.
Es gibt aber noch viel mehr verborgene Verbraucher;
häufig ist deren Verbrauch noch viel unproduktiver als beim obigen
Fernseher-Beispiel.
Mehr oder weniger sinnvolle Anwendungen
Wer den Fernseher von der Fernbedienung aus einschalten will,
kann ihn nicht vollständig ausschalten: Zumindest muß der Empfänger der
Fernbedienung arbeiten und dazu so viel der Elektronik, daß der Rest
eingeschaltet werden kann. Mein Verdacht ist, daß hier so mancher Hersteller
auf Kosten des Stromverbrauchs Herstellkosten spart und einen relativ großen Teil
des Fernsehers ständig eingeschaltet läßt.
Ähnliches gilt natürlich für Videorecorder, Stereoanlage usw.
Weniger nachvollziehbar sind Standby-Schaltungen bei Computermonitoren:
Früher hatte jeder Computer eine geschaltete Steckdose, damit man den Monitor
zusammen mit dem Computer einschalten konnte. Warum das so nicht mehr geht,
beschreibe ich weiter unten. Aber der Monitor könnte eine Batterie enthalten,
mit deren Energie der Videoeingang überwacht werden könnte. So eine Schaltung
könnte bedeutend weniger Strom verbrauchen als der Infrarot-Empfänger im Fernseher.
Der Computer ist immer an
Moderne PCs besitzen vielleicht noch auf der Rückseite einen wirklichen
Netzschalter. Wenn man Windows herunterfährt
und sich der Computer dann
selber ausschaltet, wird der Netzschalter eindeutig nicht betätigt.
Der ATX-Standard, dem die meisten PCs
(abgesehen von Laptops) entsprechen, fordert sogar eindeutig, daß ein Teil des
Rechners in Betrieb bleiben muß. Das läßt sich z.B. nutzen, um den Rechner
per Modem (Fax-Empfang) oder Netzwerkkarte (Fernwartung) aufzuwecken.
Da kommt schnell mehr Leistung zusammen, als die typische Glühbirne der
Kühlschrankbeleuchtung verbraucht. Wer diese Funktionen nicht benötigt,
zahlt jedes Jahr so einige Euro an unnötigen Stromkosten.
Damit wird auch klar, warum die Computer heute keine geschaltete Steckdose mehr haben:
Der Schalter fehlt. Der Ein- und Ausschalter an der Frontseite ist nur noch ein Taster.
Damit fordert man den Computer nur noch auf, sich einzuschalten.
Ist der Rechner abgestürzt, kann man ihn damit womöglich noch nicht einmal
mehr ausschalten. Also auf der Rückseite rumfingern...
Die heimlichen Verbraucher
Ausgesprochen hinterhältig sind die vielen Steckernetzteile: Die sind immer an,
so lange die Steckdose unter Spannung steht. Eine Steigerung dieser Verschwendung
stellen die Netzteile vieler Drucker dar, z.B. bei HP: Für den Hersteller ist diese
Lösung äußerst angenehm, weil er nur dieses Netzteil nach den nationalen Vorschriften
und Gegebenheiten auslegen muß. Es gibt nur noch eine Druckervariante,
beim Versand wird einfach das landesspezifische Netzteil in den Karton gepackt.
Der Netzschalter dieser Geräte erhält nur 12 V oder so, das gesamte Netzteil
ist immer im Betrieb. Zum Nachweis reicht Handauflegen: Die Quader werden alle warm.
Ist nur noch ein Taster als Ein- und Ausschalter vorhanden,
steht praktisch der ganze Drucker ständig unter Strom.
Vergleichsweise kleine und für den Gerätehersteller schwer vermeidbare Verbraucher
sind die
Störschutzglieder im Netzeingang. Die sollen verhindern, daß Störungen
in das Gerät eindringen und daß das Gerät seine Umgebung elektromagnetisch
verseucht. Zwangsweise werden diese Störschutzglieder so gut wie immer unmittelbar
am Netzanschluß angebracht, vor dem Netzschalter. Die meiste Leistung
verbraten die Störschutzglieder übrigens nicht selber: Systembedingt nehmen
sie etwas Leistung auf, um sie kurze Zeit später wieder in elektrischer Form
ins Netz zurückzuspeisen (so genannte Blindleistung).
Dabei fließen aber Ströme, die das Stromnetz belasten und dort Verluste erzeugen.
Die hier hin- und hergeschickten Leistungen zeigt übrigens der Stromzähler nicht an.
Abhilfen
Speziell in der Jubelelektronik fällt die Abhilfe oft schwer:
Die Standby-Versorgung sorgt häufig dafür, daß diverse Einstellungen erhalten bleiben -
von der Uhr bis zur Sendereinstellung. Viele dieser Geräte haben nur
eine Überbrückungsfunktion, die einen Netzausfall im Minuten- oder Stundenbereich
überbrückt. Wenn also mal die Sicherung fliegt oder bei Gewitter das Licht flackert,
passiert nichts. Aber wer vor dem Urlaub die Sicherungen ausschaltet,
darf anschließend alle 30 Kabelprogramme in Fernseher und Videorecorder neu einstellen.
Auch wer seine Faxe mit dem Computer empfangen will, wird den Rechner
mehr oder weniger vollständig laufen lassen müssen. Allerdings sollte man sowieso
überlegen, ob man seine Faxe selber empfangen will. Viele, selbst kostenlose,
Dienstleister bieten ihren Benutzern individuelle Faxnummern an und stellen die
Faxe dann per E-Mail zu. Wer bislang eine eigene Faxnummer betrieb,
hat in den meisten Fällen sowieso einen ISDN-Anschluß und kann seine Faxnummer
folglich auf den Dienstleister weiterleiten. Auch wenn es unsinnig erscheint,
die Faxe erst mal auf eigene Kosten aus dem Haus zu schaffen, um sie dann wieder
per E-Mail ins Haus zu holen: Wer nur noch alle halbe Ewigkeit ein Fax bekommt,
spart eine ganze Menge Stromkosten. Aber natürlich quillt dann am Morgen auch kein
Papier mehr aus dem Gerät, sondern man muß erst mal seine Mail abholen um zu
erfahren, ob ein Fax ankam...

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Wer seine Gerätschaften aber wirklich abschalten will, hat nur eine Wahl:
Steckdosenleisten mit integriertem Schalter. Es gibt Steckdosenleisten
mit Master-Slave-Funktion: Wenn man das Gerät an der Master-Steckdose
einschaltet, werden auch die Slave-Steckdosen mit Spannung versorgt.
Das hilft zumindest bei den Drucker-Netzteilen weiter - sofern man die überhaupt
noch abschalten darf: Neuere HP-Drucker spülen ihren Druckkopf, sobald der Strom
wieder eingeschaltet wird. 10mal die Steckdosenleiste einschalten und die Tintenpatronen
sind leer.
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Die Lösung mit einer Master-Slave-Steckdose hat allerdings durchaus ihre Grenzen:
- Mit dem Monitor den Computer ein- und ausschalten ist problematisch:
Einmal hilft das nicht gegen den Standby-Verbrauch des Monitors,
außerdem würgt man mit dem Stromsparbetrieb des Monitors
den Rechner höchst unschön ab: Der Bildschirmschoner schaltet den
Monitor in Stromsparbetrieb, der darauf hin über die Master-Slave-Steckdose
dem Computer den Strom entzieht.
- Die Stromaufnahme eines Laptops ist manchen
Master-Slave-Steckdosen zu gering:
Man schaltet den Laptop ein - und kein weiteres Gerät springt an.
Hier sollte man auf eine einstellbare Schaltschwelle mit einer
minimalen Empfindlichkeit von höchstens 10 W achten.
- Auch das umgekehrte Problem wurde mir schon berichtet:
Die oben erwähnte Blindleistung
(angegeben in Voltampere, VA)
führt trotz geringen Leistungsverbrauchs (angegeben in Watt, W)
schon mal zu recht merklichen Strömen in der Netzleitung und auf genau
diese Ströme reagieren wohl die meisten Master-Slave-Steckdosen.
Ein Leser dieser Seite meinte dazu: In meinem Fall sieht das so aus:
Neuer Maxdata-Rechner, Standby-Leistung gemessene 2,2 Watt / 14 VA,
Billig-MS-Leiste von Media-Markt ==> die schaltet nicht ab.
Nun suche ich auch nach einer MS-Steckdosenleiste mit einstellbarer
Schaltschwelle.
Literaturhinweise:
- Windeck, Ch.: Durstbremsen - Strom sparen beim PC-Einsatz.
- Vorholz, Fritz: Die verbrannten Milliarden - Deutschland knausert,
aber ein großes Potential bleibt unberührt: Haushalte und Betriebe könnten
viel geld sparen, wenn sie Energie intelligenter nutzten.
- In: Die Zeit 7/2003, S. 19
- Heise Online: Kommunikation verbraucht immer mehr Energie (09.05.2005)
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