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Leiser Bürorechner


Wer heute einen PC kaufen will, bekommt GHz und GByte um die Ohren gehauen - als ob typische Büroanwendungen moderne Hardware vor irgendwelche Probleme stellten. Mal abgesehen davon, daß man bei Aldi & Co. viel zu viel einkauft, das höchstens das Finanzamt mißtrauisch macht: Ohne spezielle Maßnahmen sind die meisten dieser Rechner einfach zu laut für konzentriertes Arbeiten. Durch intelligentes Weglassen kommt man hier vergleichsweise leicht zum Ziel - wenn auch kaum im Ladengeschäft.

Die Lärmquellen

Ein heutiger PC enthält vor allem folgende Krachmacher:

  • Netzteillüfter: Die aus dem Stromnetz aufgenommene Leistung wird zum größten Teil im Rechnergehäuse in Wärme umgesetzt. Das Rausschaffen der erwärmten Luft ist in erster Linie Aufgabe des Netzteillüfters, entsprechend ist er ausgelegt. Die Netzteilgehäuse sind zu klein, um einen 12-cm-Lüfter oder gar noch Größeres einzubauen, entsprechend lärmen sie vor sich hin. Da hilft auch eine Temperaturregelung nur begrenzt weiter, denn ein Mindest-Luftstrom muß erhalten bleiben. Selbst ein lüfterloses Netzteil für 200 EUR hilft nicht wirklich, weil das Gehäuse meist trotzdem eine Zwangslüftung braucht. Die wirksamste Maßnahme ist hier, die Stromaufnahme des Rechners zu senken und ein schwächeres Netzteil einzubauen. Unter 300 W Ausgangsleistung wird man aber im Laden kaum etwas bekommen.
  • Prozessorlüfter: Moderne Prozessoren mit mehreren GHz Taktfrequenz erzeugen pro Flächeneinheit wesentlich mehr Wärme als eine Herdplatte, nur dürfen sie längst nicht so heiß werden. Die Standardmethode zur Hitzeabfuhr ist ein großer Kühlkörper mit Lüfter. Es gibt einige aufwendige Alternativen wie Heatpipes oder Wasserkühlung - erstere findet man vorzugsweise in Laptops, letztere bei Leistungs-Fetischisten. Es gibt aber auch Prozessoren, die ohne solche Maßnahmen gekühlt werden können, und im Büro völlig ausreichende Leistung bieten. Bei mir tun mittlerweile zwei VIA C3-Prozessoren mit 1 GHz Taktfrequenz Dienst, die etwa die Leistung eines 600 MHz Pentium III haben. Die Hauptplatine dafür ist kein großes Problem, weil der C3-Prozessor die gleichen Anschlüsse wie ein Pentium III oder eine ältere Celeron-Version hat (Sockel 370). Das Problem ist die Beschaffung des Prozessors, der z.B. in München in der Schillerstraße nicht zu bekommen ist.
  • Videokarten-Lüfter: Im Büroalltag ist dieser Lüfter sicher überflüssig, weil "spieletaugliche" Grafiksysteme überflüssig sind. Die braucht man eigentlich nur für 3D-Actionspiele, wo die Berechnung flüssiger Abläufe beliebige Mengen Rechenleistung erfordert. Viel wichtiger ist ein hochwertiges Ausgangssignal und ein zweiter Monitor-Ausgang für ein Zweischirm-System. Viele Hauptplatinen enthalten heute Grafiksysteme, so daß eine eigene Grafikkarte eigentlich überflüssig ist. Allerdings taugen die Videosignale hier oft nicht viel, so daß alles jenseits von 1024x768 Pixel ziemlich matschig erscheint. Meine Erfahrungen mit der Hauptplatine VIA C3M266 sind hier recht positiv, auch 1280x1024 Pixel mit 70 Hz Bildwiederholrate sind da erträglich und auf einem 17-Zoll-Röhrenmonitor ist man mit dieser Auflösung sowieso am Anschlag.
  • Chipset-Lüfter: Manche Hauptplatine ohne Grafiksystem trägt auch ohne Prozessor schon einen Lüfter. Damit wird die Elektronik gekühlt, die den Prozessor mit Speicher und Peripherie verbindet. Die Zeitschrift c't erklärt diese Lüfter bei ihren Tests zumeist für völlig überflüssig. Ein Laie sollte sich aber beim Abbau zurückhalten.
  • Festplatte: Hier sollte man in Testberichten nach Lautstärkeangaben suchen und die Platte eher nach Geräusch denn nach Leistung aussuchen. Wenn die Festplatte längere Zeit am Stück "rödelt", ist geschwindigkeitsmäßig sowieso nichts mehr zu retten und eine RAM-Erweiterung die wichtigste Maßnahme. Moderne Festplatten kann man zumeist mit einem geeigneten Programm auf leise einstellen. Das kostet zwar etwas Geschwindigkeit, senkt aber die Zugriffsgeräusche deutlich.
  • DVD/CD-ROM-Laufwerke: Diese optischen Laufwerke machen sich nur dann bemerkbar, wenn man sie auch wirklich benutzt. Wen das trotzdem stört, kann mit einer CD-Bremse die Drehzahl begrenzen und so das Geräusch mit geringen Leistungseinbußen begrenzen. Viele Testberichte liefern Geräuschangaben, nach denen man sich richten kann.

Gehäuseauswahl

Heutige Hauptplatinen enthalten schon fast alles, was man zum Anschluß der Peripherie so braucht: Drucker, Scanner, Maus, Netzwerk usw. kann man meist direkt anstöpseln. Wer einen großen Bildschirm oder gar deren mehrere an den Rechner anschließen will, wird eine hochwertige Grafikkarte, etwa Matrox G450 oder G550, einbauen wollen. Auch den ISDN-Anschluß wird man per Karte nachrüsten wollen, sofern man den Strippensalat einer USB-Lösung scheut. Aber was will man sonst in die Steckplätze packen? Höchstens noch eine Netzwerkkarte für das ADSL-Modem.

So herrscht in den meisten Rechnern gähnende Leere. Auch die Montageplätze für Laufwerke bleiben weitgehend leer: Wer hat mehr als Festplatte, DVD-Laufwerk, Brenner und Diskettenlaufwerk drin? Alles über 2 von außen zugängliche 5 1/4-Zoll-Schächte, einen Schacht für das Diskettenlaufwerk und einen internen Platz für die Festplatte braucht kaum jemand. Schließlich paßt auch die ganze Elektronik auf eine Hauptplatine im "Micro-ATX-Format" (21 x 24,5 cm). Eine solche Hauptplatine hat zwar nur vier Steckplätze, aber siehe oben...

normal hohe PCI-Karten passen in Mini-Gehäse nicht hinein Die kleinsten sinnvollen Gehäuse sind Desktop-Ausführungen. Deren Höhe kann niedriger sein als die Breite der 5 1/4-Zoll-Schächte, die die minimale Breite von Tower-Gehäusen bestimmt. So gibt es Konstruktionen wie das Aopen H340A, dessen Breite CD- und Disketten-Laufwerk und dessen Höhe CD-Laufwerk und Festplatte bestimmen. Die Tiefe bestimmen CD-Laufwerk und Prozessorkühler. Endergebnis: 33x11x40 cm (BxHxT). Normale PCI-Karten passen allerdings nicht mehr hinein, weil deren Blende schon 12,5 cm hoch ist.

Festplattenkabel sind zu kurz für Desktop-Gehäse Desktop-Gehäuse sind nur bei Rechnern mit maximal drei Laufwerken einschließlich Diskettenlaufwerk sinnvoll: Die Länge der IDE-Kabel ist auf 45 cm begrenzt und das reicht bestenfalls ganz knapp, um in einem Desktop-Gehäuse zwei Laufwerke an einem Kabel anzuschießen. Also kommt an das erste Kabel die Festplatte und an das zweite das optische Laufwerk.

Desktop-Gehäuse sind auch aus anderen Gründen problematisch:

  • Kaum jemand wird sie flach auf den Boden stellen wollen. Hochkant lassen sich aber viele optische Laufwerke nicht mit Medien beschicken - die fallen einfach aus den Schubladen heraus.
  • Ein Desktop-Gehäuse am Tisch führt Geräuschdämpfungsmaßnahmen ad absurdum: Die Kiste steht genau da, wo wir sie den ganzen Tag am besten hören können.

Geräuschdämmung

Natürlich kann man seinem Rechner einen Schalldämpfer verpassen. So gibt es Dämmatten, die man auf die Innenseite des Gehäuses kleben kann. Diese Matten sind zwangsweise dick und schwer - genau damit erreichen sie ihren Effekt. Deshalb lassen sie sich recht schwer verarbeiten. Manche Klebestellen werden zwangsweise auf Zug belastet und das bei erhöhter Temperatur und Vibration. Die Folge: Viele Dämmmatten fallen über kurz oder lang wieder ab. Zudem wirken die Dämmatten auch als Wärmeisolierung, die Lüfter müssen also mehr leisten. Die Zeitschrift c't [1] schätzt, daß ein Rechner typisch 1/3 der Verlustleistung über das Gehäuseblech abstrahlt.

Zum Dämmen der Festplatte eignen sich federnde Aufhängungen, die man in einen 5 1/4-Zoll-Schacht einbauen kann und den Körperschall des Gehäuses reduzieren. Das geht aber mehr oder weniger deutlich auf die Zugriffsgeschwindigkeit der Festplatte, weil die Dynamik des Kopfträgers auf eine fest eingespannte Festplatte ausgelegt ist. Die Alternative sind Lärmschutzgehäuse für die Festplatte, die aber selbst wieder einen Lüfter brauchen.

Deutlich aufwendiger sind Maßnahmen mit den Lüftern. Gelegentlich hört man den Tipp, ein Tropfen Silikonöl ins Lager eines lärmenden Lüfters wirke Wunder - ich habe es nicht ausprobiert. Zu den beliebteren Ersatzteilen im Computerhandel scheinen leise Lüfter und Prozessorkühler zu gehören.

Aber auch ein kleineres Gehäuse kann zur Geräuschdämpfung beitragen: Was nicht da ist, kann auch nicht scheppern. Je größer ein Gehäuse ist, um so effizienter kann es seinen Körperschall abstrahlen.

Lieferanten

Das große Problem meiner Lösung ist der Einkauf: Kaum jemand bietet derartige Rechner in Deutschland an. Wer bereit ist, einen oder zwei Tage zu investieren, kommt im Internet-Versandhandel recht einfach zum Ziel:

  • Ausgangspunkt muß ein Zeitschriftenstudium sein: Welche Laufwerke sind leise, welche speziellen Komponenteneigenschaften braucht man?
  • Firmen wie Alternate ermöglichen, den Wunschrechner am Bildschirm zusammenzuklicken. Die Bedienerführung sollte verhindern, daß man inkompatible Komponenten zusammenstellt - etwa eine Hauptplatine, die nicht zum Prozessor paßt. Der Händler hat hier wohl auch Gewährleistung für den kompletten Rechner zu leisten.
  • In den Computer-Zeitschriften findet man auch Versandhändler, die Komponenten verkaufen. Die Preise unterscheiden sich gelegentlich heftig. So habe ich schon eine Bestellung auf Alternate und Avitos aufgeteilt, weil das trotz der doppelten Versandspesen die deutlich billigste Lösung war.
  • Angesichts der hoch leistungsfähigen Systeme mit Aldi-Preisen ist es fraglich, ob ein lokaler Computerhändler einen Rechner nach dem hier geschilderten Konzept bauen will: "Sie sind seit Jahren der Erste, der nach einem möglichst schwachen Netzteil fragt."

Alternativen

Es gibt Hersteller, die bieten ausdrücklich geräuscharme Rechner an. Allein mit der Auswahl leiser und weniger leistungshungriger Komponenten kann man hier einiges erreichen. Manche Rechner enthalten auch die oben geschilderten "Schalldämpfer".

Für den Büroeinsatz bieten manche Hersteller auch speziell kleine Rechner an, oft völlig ohne oder nur mit einem einem PCI-Steckplatz. Eine weitere Möglichkeit ist der Einsatz von Laptop-Komponenten. Ich habe mit solchen Mini-Systemen so meine Probleme: Sie sind kaum billiger als Laptops, ähnlich schlecht zu erweitern und bieten nicht die Freiheit eines Laptops. Aber der IT-Verantwortliche einer Firma kann das wieder ganz anders sehen als ich.

Einen komplett lüfterlosen Rechner im Eigenbau beschreibt Michael Dieckmann in seiner Website.

Literatur

[1] Ahlers, E.; Steffens, E.: Ruhig gestellt. Besonders leise ATX-Netzteile zwischen 300 und 350 Watt.
In: c't 16/2003, S. 162ff
[2] Windeck, Christof: Diätprozessoren - Mobilprozessoren im Desktop-Einsatz
In: c't 6/2004, S. 164ff
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Alexander von Obert * http://www.techwriter.de/thema/leiserbu.htm
Letzte Änderung: 18.07.04 (bereinigt)


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