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Gehaltsverhandlungen vor Arbeitsvertrag


Immer wieder finden Kollegen diese Website, obwohl ich meine tekom-Aktivitäten schon vor über 10 Jahren eingestellt habe und Google meint, eine Website aus statischem HTML könne nicht wirklich wichtig sein. Daraus entwickeln sich dann immer wieder Mail-Wechsel. Aus einem davon entstand dieser Artikel: Mit welcher Forderung soll ich in die Gehaltsverhandlungen gehen, wenn mir eine Angesteltenposition angeboten wird?

Ingenieur sucht Stelle als technischer Redakteur

Hallo Alexander,

Du hast mir ja letztens schon einige sehr gute Tipps gegeben, wofür ich Dir nochmals danke. Eine kurze Frage hätte ich noch. Kannst Du etwas dazu sagen, wo die Einkommen von Angestellten bei Dienstleistern für technische Dokumentation im Vergleich zu anderen Arbeitgebern Technischer Redakteure liegen?

Hintergrund: Ich habe Mittwoch nach Ostern ein Gespräch bei einem Dienstleister dieser Art. Er hat ca. 15 Mitarbeiter und ist hauptsächlich für Kunden im Maschinenbau tätig. Der allgemeine Ruf ist ganz in Ordnung. Wenn ich gefragt werde, möchte ich ungern total daneben liegen. Ich kenne zwar die tekom-Gehaltsspiegel, aber vielleicht weißt Du aus Deiner langen Erfahrung, ob solche Dienstleister sich z.B. ungefähr im Mittelfeld einpendeln.

Zum Vergleich: Ingenieurdienstleister hier im Raum haben mir bislang etwa 3.000-3.300 Euro brutto/Monat in Aussicht gestellt. Das stützt meine These, dass sie weniger Abzocker sind als reine Zeitarbeitsunternehmen (Vergleich: ernsthaft 2.300-2.400 brutto für 35h/Woche, und das ohne Option auf Übernahme), auch wenn ihr Ruf nicht viel besser sein mag.

So bereitet man sich auf Gehaltsverhandlungen mit einem neuen Arbeitgeber vor

Wenn Du Ingenieur bist, solltest Du Dich auch als solchen vermarkten. Ich würde mich da mal in einem Büro der IG Metall melden und mir von denen die Tarifverträge erklären lassen:

  • Es gibt jeweils zwei Tarifverträge: einen Rahmen-Tarifvertrag und einen Entgelt-Tarifvertrag.
  • Im Rahmen-Tarifvertrag werden u.a. die Lohngruppen definiert – also mit welcher Ausbildung und welchem Aufgabenbereich ein Arbeitnehmer wie einzugruppieren ist. Diese Verträge gelten gewöhnlich relativ lange, bis eine Seite etwas Grundsätzliches ändern will – etwa Urlaubsanspruch oder betriebliche Altersversorgung.
  • Der Entgelt-Tarifvertrag wird typisch einmal im Jahr verhandelt, wenn die Gewerkschaft X% Erhöhung verlangt, damit sie 0,5 X bekommt. Darin steht dann, welches Grundgehalt zu welcher Gehaltsgruppe gehört.

Diskutiere mit den Leuten, in welche Tarifgruppe Du gehörst und was das Tarif-Grundgehalt dazu ist. Schlage da nochmal 10% drauf und gehe mit diesem Betrag in die Verhandlungen. Dann kommst Du mit vielleicht 5% außertariflicher Zulage aus dem Personalbüro raus. So 100-200 EUR übertarifliche Zulage kannst Du vielleicht rauskitzeln.

In dieser Situation war ich zuletzt 1984. Mein späterer Chef wollte genau mich haben, wie ich dann später erfuhr. Ich hatte der Firma sogar schon meine schriftliche Absage geschickt, weil ich mit dem Angebot nicht einverstanden war. Der Personalmensch wurde dann zum Nachgeben gezwungen. So kam ich eine Gehaltsstufe höher rein.

An dieser Stelle gibt es noch eine Falle: Jedenfalls zu meiner Zeit gab es zu jeder Gehaltsstufe jeweils vier Jahres-Fortrückungsstufen. Das bedeutet, dass das Gehalt vier Jahre lang steigt, ohne dass man weiter verhandeln muss. Wenn sie Dir jetzt anbieten, Dir eine oder zwei Jahresfortrückungsstufen zu schenken, hilft Dir das nur begrenzt weiter: Nach der 4. Jahresfortrückungsstufe kommt nichts mehr – außer Du übernimmst einen verantwortungsvolleren Aufgabenbereich (Gruppenleiter statt Sachbearbeiter).

Auf eine Personalarbeitsfirma solltest Du Dich nur im Notfall einlassen, etwa weil Dir noch jede Berufspraxis fehlt: Die zahlen beschissen und Karriere kannst Du dort auf keinen Fall machen. Die ködern Dich mit vagen Versprechungen, so ein Job wäre das optimale Sprungbrett zu einen attraktiven Arbeitgeber. Kann funktionieren, muss aber nicht. Du hast ja auch keine Kontrolle darüber, wo die Dich einsetzen. Wenn Du Pech hast, bist du alle paar Monate an immer andern Arbeitsplätzen. Ehe jemand Deine Fähigkeiten schätzen lernt bist Du schon wieder weg.

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Alexander von Obert * http://www.techwriter.de/thema/gehaltsv.htm
Letzte Änderung: 02.04.15 (Erstfassung)


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