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Das Branchen-Fernsprechbuch,
auch Die Gelben Seiten genannt,
bietet auf den ersten Blick eine einfache Werbemmöglichkeit -
in der einfachsten Form sogar kostenlos.
Bringt ein Eintrag in den Gelben Seiten etwas für Übersetzer
oder Technische Redakteure?
Es gibt Branchen, die wären ohne diese Werbemöglichkeit tot,
z.B. Schlüsseldienste. Aber betrachtet man, wie die Telefonbuchverlage
ihr Produkt positionieren, dann wird eines recht schnell deutlich:
Hier geht es um ein regionales Werbemedium für die breite Massen -
jeder bekommt es zusammen mit seinem normalen Telefonbuch.
Die kostenlosen Standardeinträge fügt die Redaktion selbständig ein,
darum braucht man sich als Gewerbetreibender, Ingenieurbüro usw.
praktisch nicht zu kümmern - der Zusatz Ingenieurbüro beim
Telefonbucheintrag reicht völlig. Anders herum:
Da stehen auch Hinz und Kunz drin -
nicht unbedingt die optimale Umgebung.
Wer sich als Übersetzer auf Privatpublikum spezialisiert hat
und z.B. Geburtsurkunden übersetzt, wird über die Gelben Seiten
wohl auch den einen oder anderen Auftrag bekommen können.
Beim kommerziellen Publikum habe ich so meine Zweifel,
ob es die Gelben Seiten überhaupt nutzt.
Der Eintrag hat auch Nachteile
Man sollte meinen, daß ein kostenloser Eintrag nicht schaden könne.
Trotzdem habe ich den für mich zuständigen Verlag gebeten,
meinen Eintrag zu entfernen:
- Ich erhielt innerhalb des letzten Jahrzehnts
keine einzige fachspezifische Anfrage,
die ich auf die Gelben Seiten zurückführen könnte.
Wäre ich Bauingenieur, sähe es vielleicht etwas anders aus.
- Der harmloseste Anruf kam von einem Mädchen, das eine Lehrstelle suchte
(und damit bei mir schon aus räumlichen und personellen Gründen
völlig falsch war).
- Jede Organisation, die lokal oder überregional die Wirtschaft anbetteln
will, nutzt die Gelben Seiten. Mittlerweile könnte ich wissen,
wie viele Sportvereine in meiner Umgebung eine Jugendabteilung haben
und was diverse Blindenwerkstätten so herstellen.
Allerdings erspare ich den Anrufern und mir die Zeitverschwendung
und lege auf, sobald ich den Anruf zuordnen kann.
Nicht, daß ich etwas gegen ehrenamtliche oder gemeinnützige Arbeit hätte,
ich tue selbst genug davon für wortwörtlich mehrere 1000 Kollegen...
- Die Gelben Seiten sind ganz offensichtlich eine wichtige Informationsquelle
für jede Form der illegalen Kaltaquise: Anrufe zur Geschäftsanbahnung
ohne vorherige Geschäftsbeziehung oder Einverständniserklärung sind
in Deutschland strikt verboten. Die Verbraucherverbände halten dieses
Vorgehen für ein absolutes Warnsignal bei Finanzdienstleistern.
Eigentlich sollte man solche Gangster anzeigen...
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