| Datum: | 26.07.01 12:57 |
| Von: | Birgit Grossmann |
| Betreff: | Buch: Making Money in Technical Writing |
Shoppen bei Amazon ist sehr verführerisch, und ein Buch mit dem
Untertitel " Turn your writing skills into 100.000 $ a year" noch viel
mehr. Nach nur einem Click lag es schon zwei Tage später auf meinem
Schreibtisch.
Das Überraschende vorweg: Die amerikanischen Verhältnisse sind unseren
erstaunlich ähnlich. Ähnliche Besteuerung, ähnliche
Abschreibemöglichkeiten, sogar der Tatbestand "Scheinselbstständigkeit" und
die Klage, dass die zuständige Behörde jedem freelancing TechWriter
dies nachweisen möchte, klingen vertraut.
Auch die extremen Unterschiede in der Bezahlung spiegeln hiesige
Verhältnisse wider. Der Autor Peter Kent legt dabei großen Wert
darauf, Optimist zu sein und zu zeigen, wie viel möglich ist - O-Ton (S. 6):
"I don`t care to be lumped in with the lower-paid
writers. This book is not called "How to Barely make a Living as
Technical Writer". I`m concerned with showing you the true potential,.
not how little uninformed writers make."
Kent unterteilt die Entwicklung des TechWriters grob in drei Stufen,
die sich in Potential und Freiheitsgrad unterscheiden:
- Working through Agencies - Arbeit über Agenturen, bei denen Arbeit beim
Auftraggeber vor Ort nach Stunden abgerechnet wird.
- Cut out the middleman - Selbst akquirierte Arbeit, die aber
immer noch vor Ort stundenweise geleistet wird.
- Consulting - Selbst akquirierte Aufträge zu Projekt- oder Festpreisen,
mit freier Wahl der Arbeitsweise (Homeoffice, Untervergabe an Mitarbeiter
oder Hilfskräfte).
Auf Stufe drei wird auch ausführlich besprochen, wie man sich über Artikel
und Bücher nicht nur einen Namen macht, sondern auch Geld verdienen kann.
Dazwischen tauchen alle vorstellbaren Themen auf, z.B.:
- Was ist Freelancing
- Verhandlungen und Interviews mit Agenturen
- Arbeitszeiten und Überarbeitung
- Netzwerken
- Steuern
- Was ist ein echter Selbstständiger (independent contractor)?
- Sich Verkaufen
Ein Anhang mit Checklisten, Internetressourcen und Buchtipps rundet das
Buch ab.
Steht etwas Neues in diesem Buch? Ja und nein. Themen wie Vor- und
Nachteile von Freelancing oder besser Netzwerken werden auch in anderen
Büchern diskutiert. Ich selbst fühlte mich durch die Schreibe des
Autors und der Konzentration auf die Zielgruppe TechWriter dennoch
ganz besonders angesprochen und saß oft nickend da: "Ja, genau".
Es ist eines dieser sehr amerikanischen Bücher, in denen auch
schwierige Themen mit Humor behandelt werden, die optimistisch sind,
ohne die Nachteile zu verschweigen und die letztlich einfach Spaß beim
Lesen machen - etwas, was einem mit vielen deutschsprachigen
Ratgebern sicher nie passieren wird. Schön illustriert dies schon die Wahl
des Titels - die erste Ausgabe hieß noch bodenständig "The Technical
Writer`s Freelancing Guide".
Lohnt es sich? Meiner Meinung nach ja - für jeden, der über lang oder
kurz an Selbständigkeit denkt oder es schon ist. Noch schöner wäre
eine für deutsche/europäische Verhältnisse überarbeitete Variante, in
der die Kapitel rund um Steuern, Krankenversicherung und ob man eine
GmbH gründen sollte angepasst wären. Vielleicht findet sich ja ein
Verlag dafür...
Making Money in Technical Writing
Peter Kent
Macmillan USA
ISBN 0028618831
DM 41,58 (bei Amazon)
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