|
Welchen Sinn hat es, über einen bald fünf Jahre alten Laptop zu schreiben?
Einmal gibt es gute Nachrichten und außerdem dürften immer wieder derartige Geräte auf
dem Gebrauchtegerätemarkt erscheinen.
Lange hatte ich mich gegen einen Laptop gewehrt, schon weil man daran nicht selber
rumbauen kann. Ende 1999 ging es aber dienstlich nicht anders und ich gab rund
3000 DM für diesen Laptop mit 400 MHz Celeron und 800x600-Pixel-Bildschirm
aus. Die beste Nachricht: Das Gerät ist bis heute bei mir im täglichen Einsatz.
Für meine Winword-Anwendungen und auch das Pflegen dieser Website reicht mir die
Leistung und wenn mir mal die 4,7-GB-Platte nicht reichte, dann griff ich auf die
80-GB-Platte des Rechners nebenan zu. Mittlerweile hat der Rechner eine größere Platte,
weil die alte langsam den Geist aufgab - siehe unten.
Eine Aufrüstung hat der Rechner schon kurz nach dem Kauf erfahren: 128 MB
zusätzliches RAM. An das Netzwerk schließe ich den Rechner per PC-Card an
und die meiste Peripherie schließe ich heute per USB 1.1 an. Eine mittlerweile recht
deutliche Begrenzung ist, daß der Rechner nur einen USB-Port hat.
Am Schreibtisch liegt eine Tastatur mit eingebauten USB-Hub, der hat aber keine
eigene Stromversorgung. Peripherie, die mehr als 100 mA Strom braucht, kann ich nur
direkt am Rechner anschließen. Das sind bei mir Webcam und Creative Soundblaster MP3+.
Dem Entwicklungsstand entsprechend hat die USB-Unterstützung ihre Grenzen: Das
BIOS-Passwort kann ich nicht per USB-Tastatur eingeben, nur mit der eingebauten oder
einer PS/2-Tastatur. Die ganze USB-Peripherie (Tastatur, optische Maus, AVM Fritz!Card USB V2.0) sollte
ich zwischen Einschalten des Rechners und Windows-Login tunlichst
nicht berühren, denn sonst setzt es einen Blue Screen. Das Problem liegt aber wohl
wesentlich an Windows 98SE.
Eine der schönsten Eigenschaften des Geräts ist der eingebaute
Zweischirm-Betrieb:
Ich kann Fenster einfach vom eingebauten auf den externen Monitor rüberschieben. Meist
betreibe ich den externen Monitor mit 1024x768 Pixeln und die interne Anzeige mit
800x600. Manche Programme reagieren allerdings etwas eigenartig, wenn die beiden
Bildschirme unterschiedliche Auflösungen haben. Auch schaffte ich es nicht, Powerpoint
97 zur Ganzseitenanzeige am externen Monitor zu bewegen; es wäre doch so schön, am
Laptopbildschirm alles Nötige offen zu haben, während die Zuseher am Beamer nur die
Präsentation sehen.
Acer Travelmate 513T reparieren
(die Beschreibungen sollen auch auf den Acer Extensa 500T zutreffen)
Die Original-Batterie ist mittlerweile ziemlich tot. Anfangs konnte ich den
Rechner fast drei Stunden ohne Strippen betreiben, mittlerweile sind es noch 10 min.
Eine unterbrechungsfreie Stromversorgung ersetzt der Akku also immer noch. Irgendwelche
Maßnahmen verbieten sich hier wegen der Batteriepreise von um die 200 EUR auf dem
Ersatzteilmarkt. Selbsthilfe verbietet sich, weil die nötigen Zellen aus guten Grund nicht im
Handel sind: Litium entzündet sich an Luft von selbst und läßt sich mit Wasser nicht löschen.
Aus ähnlichen Gründen verbietet sich eine Display-Reparatur - wo wollte man überhaupt ein
Display mit 800x600 Pixeln auftun, von der Kompatibilität ganz abgesehen. Man kann den
Rechner aber auch mit einem externen Monitor betreiben. Meist erkennt der Rechner einen
externen Monitor und schaltet entsprechend um, nur mit einem Beamer hatte ich einmal kein Glück.
Vermutlich fehlten im VGA-Stecker die Codierbrücken, an denen die Grafikkarte früher z.B.
Schwarz-Weiß-Bildschirme erkannte.
Der Prozessor ist fest eingelötet, so weit ich das beurteilen kann. Allerdings kam ich noch
nicht an die Platinenunterseite heran, um das zu überprüfen. An der CPU herumzuhebeln war mir
zu kritisch. Damit ist meine Hoffnung gestorben, mal einen VIA C3 ausprobieren zu können.
Weitere allgemeine Hinweise zur Selbsthilfe enthält [2].
CD-Laufwerk wechseln (funktioniert so auch beim Acer Travelmate 507)
Warnung: Wer seinen Rechner beim Basteln schrottet, ist absolut selber
schuld. Ich übernehme hier keinerlei Verantwortung! Ich versichere lediglich, daß es bei mir
so funktioniert hat.
Den ärgerlichsten Ausfall hatte ich beim CD-ROM-Laufwerk: Irgendwann konnte
es nur noch gebrannte CDs lesen, dann gar keine mehr. Zum Glück blieb bei allen
Abstürzen die Image-Datei der Systempartition erhalten, so daß ich zum Restaurieren von
Windows nur zwei Disketten brauchte.
Mittlerweile kann der Rechner wieder CDs lesen, die Reparatur erwies sich im Nachhinein
als äußerst einfach, siehe unten. Dschen Reinecke hat sich mit den mechanischen und elektrischen
Kompatibilitätsproblemen bedeutend intensiver auseinander gesetzt als ich.
- Aus einem defekten Laptop baute ich ein anderes Teac CD-224E aus. Auch Laufwerke aus aktueller
Produktion sollten nach meinen Recherchen passen, lediglich mit der Master/Slave-Einstellung
könnte es Probleme geben. Hier ist ggf. eine neue Firmware fällig, die der
Laufwerkshersteller hoffentlich zur Verfügung stellt.
- Auf der Unterseite des Rechners war ursprünglich eine Stelle abgeklebt - siehe Bild.
Schwarzen Aufkleber entfernen.
- Die unlackierte Schraube herausdrehen.
- Einen schmalen Schraubendreher in den Schlitz neben der Schraube stecken und das Blech zur
Seite schieben. Was oh Wunder, das CD-Laufwerk kommt aus dem Rechner!
- Laufwerksklappe öffnen, Blende abschrauben (zwei Schrauben oben, eine unten).
Ggf. einen Draht in das feine Loch in der Blende stecken, damit das Laufwerk
aufspringt.
- Ggf. Blende am neuen Laufwerk abschrauben, Acer-Blende befestigen.
- Befestigungswinkel vom alten Laufwerk abschrauben und am neuen befestigen.
- Neues Laufwerk in den Rechner bis zum Anschlag hinein schieben.
- Laufwerk im Rechner festschrauben.
Das war's schon!
Mein Dank geht an Dirk Bernstein für den Hinweis auf den Travelmate 507 und an
Danny Stahlfeld wegen des Acer Extensa 500T.
Grundsätzlich kann man statt eines CD-Laufwerks auch ein Slimline-DVD-Laufwerk
oder einen Brenner einbauen. Nach [1] sollte man sich aber
zumindest bei DVD-Brennern zurückhalten: Slimline-DVD-Brenner sind praktisch
nur als OEM-Geräte zu bekommen, d.h. es gibt dafür kaum Firmware-Updates.
Die sind aber unbedingt nötig, um dem Laufwerk die nötigen Brennparameter
für künftige Rohlingsfabrikate beizubringen. Die Herstellungsmethoden für
DVD-R(W) sind aber noch kräftig im Fluß, speziell für doppellagige Rohlinge.
Festplatte wechseln
Nach reichlich vier Jahren Alltagseinsatz wurde die Festplatte ziemlich laut.
Gelegentlich gab sie auch höchst alarmierende Geräusche von sich. Da es immer noch
keinen wirklichen Grund gibt, diesen Rechner auszurangieren, spendierte ich eine neue
Festplatte. Meine Wahl fiel auf eine Seagate ST94811A, vorzugsweise weil die in
aktuellen Tests als recht leise beschrieben wird. Aber auch jede andere
2,5-Zoll-Festplatte mit 9,5 mm Höhe sollte passen und funktionieren.
Der Austausch funktionierte problemlos. Vor allem beim BIOS hatte ich vorher meine
Bedenken, das erkannte aber sofort die (dezimalen) 40 GB als 38undnochwas (binäre)
GB. Bislang nutze ich nur rund 20% der Platte: Für meine drei Partitionen ist das
genug - ansonsten müßte ich beim Rechnerstart nur unnötig lange warten. Vielleicht
probiere ich mal etwas mit Linux rum, das passt noch problemlos auf die Platte. Fünf
Jahre alte Hardware sollte einer aktuellen Linux-Distribution auch keine großen
Hindernisse bereiten, im Gegenteil.
Mit DiskSpeed32 gemessen komme ich auf eine Übertragungsgeschwindigkeit von gut 16
MB/s. Wer nur um die 5-6 MB/s erreicht, hat vermutlich die DMA-Übertragung nicht
eingeschaltet: Systemsteuerung/System/Gerätemanager/Laufwerke/
Generic IDE Disk Type02/Einstellungen/DMA.
Hier eine Kurzanleitung für den Festplattenausbau. Wer sich
hier betätigt, tut das auf eigene Gefahr. Ich versichere nur, daß das bei mir so
funktionierte.
- Display weit nach hinten klappen.
- Mit einem breiten Schraubendreher die Tastatur heraushebeln: Eine Lasche sitzt
in der Mitte hinter der F8-Taste, die zweite hinter der F3-Taste und die dritte
hinter der "Druck"-Taste. Zugegeben: Das ist ein Job für starke Nerven.
Stephan Schmitt schlägt eine andere Methode vor, die ich aber nicht ausprobiert
habe: Statt die Tastatur herauszuhebeln, kann man auch die beiden Schrauben der
Bildschirmbefestigung (auf der PC-Unterseite) lösen. Zieht man jetzt den
Bildschirm heraus, gibt die Verschlusskappe die Lasche an der F3-Taste
frei. Oberhalb der Funktionstasten verläuft eine Art Kunststoffschiene,
die nach links geschoben und dann entfernt werden kann. Dann kann die
Tastatur problemlos und gewaltfrei auch von nervenschwächeren Bastlern
entfernt werden.
- Tastatur nach vorne wegklappen, nicht an der Strippe ziehen!
- Das Blech unter der Tastaur abschrauben (5 Schrauben), nach links wegschieben
und herausnehmen. Rechner erst wieder einschalten, wenn
das Blech wieder montiert ist! Sonst stirbt der Prozessor innerhalb von Sekunden
den Hitzetod!
- Den Rahmen des Tastatursteckers anheben, die flexible Leiterplatte des Tastaturanschlusses
rutscht von alleine heraus.
- Jetzt kann man den Festplattenrahmen abschrauben (zwei Schrauben auf der rechten
Seite) und samt Platte nach oben herausziehen.
- Der Rest sollte jetzt ziemlich offensichtlich sein.
Der Rechner ist jetzt bedeutend leiser. Das ist allerdings nicht nur von Vorteil,
denn das Betriebsgeräusch variiert jetzt stärker. Am meisten irritiert wohl der
Spannungswandler des Prozessors: Wenn der Prozessor nichts zu tun hat, sirrt der
Spannungswandler vor sich hin. Sobald der Prozessor etwas zu tun bekommt, ist er
ruhig. Bislang hatte ich auch noch nie bemerkt, dass der Ventilator auch eine
niedrige Drehzahl hat.
Über einen Geschwindigkeitsgewinn will ich mich nicht auslassen. Einmal habe ich
den Verdacht, dass die alte Festplatte nicht mehr gut in Form war. Zudem zeigen
Tests mit/ohne DMA-Betrieb, dass der Unterschied sehr gering ist. So dauert das
Übersetzen dieser Website nach HTML einmal 53 und einmal 57s. Auch beim Auswerten der
Webserver-Logs mit Webalizer merke ich keinen spürbaren Unterschied. Mag sein, daß der
Rechner jetzt schneller bootet - ich hab's nicht gestoppt und subjektiv ist es nicht
eindeutig.
Noch kurz ein paar Hinweise zur Frage, wie man den Rechner nach dem Plattentausch
wieder funktionsfähig macht. Das ist zwar keine für diesen Fall spezifische Frage,
aber sonst bekomme ich wieder diverse Anfragen per Mail:
- Die einfachste Möglichkeit ist natürlich, den Rechner mit der Recovery-CD
zu starten und so Windows 98SE neu zu installieren. Ich habe es nicht
ausprobiert. Folglich weiß ich auch nicht, wie groß Norton Ghost die Partition
macht. Auf jeden Fall sind so alle Daten futsch.
- Wer die System-Partition retten will, wird um ein Image-Backup mit Norton
Ghost oder Acronis True Image nicht herum kommen.
Das Problem dabei ist, wo man die Image-Datei ablegen will. Ich konnte den
Weg mit Acronis True Image ganz leicht gehen, weil der Rechner mit einer PC-Card
an mein Netzwerk angeschlossen ist. Eine Alternative ist, die alte Festplatte
mit einem 2,5-3,5-Zoll-Adapter (z.B. Bestellnummer PE-2693-53 von
Pearl) an einen normalen Rechner
anzuschließen
und dort alles Nötige herunter- und auf die neue Platte hinaufzukopieren.
- Wer die Daten retten will und keinen zweiten Rechner zur Verfügung hat,
kann das CD-Laufwerk durch einen Brenner ersetzen. Ein
Slimline-CDRW-DVD-Kombilaufwerk gibt es schon unter 100 EUR. Das sollte aber
ein Laufwerk sein, auf dem das Image-Programm schreiben kann!
Danke für fast sechs Jahre zuverlässigen Betrieb
Seit September 2005 ist der Läptop nicht mehr im Routinebetrieb. Die
Einschränkungen wurden mir langsam doch zu groß:
- Die Anzeige (nicht mehr das Original, siehe oben) hat senkrechte Streifen -
Hinweis auf Kontaktprobleme.
- Gelegentlich wäre es ganz nett, eine DVD wenigstens lesen zu können.
- Die Batterie hält noch 10 min durch, ein Ersatz kostete so um die 200 EUR.
- Am linken Scharnier bricht der Deckel langsam aber sicher durch.
- Mittlerweile gibt es einige für mich interessante Programme, die nicht mehr
unter Windows 98 SE laufen.
Vielleicht darf der Laptop noch sein Gnadenbrot als Server verdienen, der geringen
Leistungsaufnahme wegen. Auf jeden Fall würde ich ihn wieder kaufen, wenn ich nochmals
in der Situation wäre.
Literatur
- [1] Wirtgen, Jörg: Frischzellenkur -
moderne Hardware bringt alte Laptops auf Trab
- In: c't 20/2004, S. 166ff
- [2] Rink, Jürgen: Hilfe zur Selbsthilfe. Preiswerte
Notebook-Ersatzteile von Drittherstellern
- In: Heise mobil vom 11.10.2004
- [3] Repair4Notebook: Repairing and Upgrading of Laptop and Notebook Hard Disk
- Verweist nicht nur hier her, sondern auch auf Reparaturanleitungen für andere Laptops
|