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Über Jahrzehnte war ich viel mit der Bahn unterwegs. Dabei höre ich gerne Radio,
was nur mit Kopfhörer praktikabel ist. Den manchmal recht beträchtlichen Lärmpegel
muß man dann mit dem Kopfhörer noch übertönen, um überhaupt etwas zu verstehen.
Der traditinelle Ausweg wäre ein geschlossener Kopfhörer, der die Ohren
ab- und so den Lärm ausschließt. Das führt aber zu heißen Ohren und zudem
ist so ein Kopfhörer recht groß. Der Auweg könnte ein Kopfhörer mit
aktiver Geräuschkompensation wie der Sennheiser PXC 250 sein.
Die aktive Geräuschkompensation, von Sennheiser NoiseGuard genannt, will Schall mit
Schall bekämpfen: Ein Mikrofon außen am Kopfhörer nimmt das Umgebungsgeräusch auf, ein
Verstärker führt es mit entgegengesetzter Phase der Kopfhörermembran zu. In der
Theorie klingt das recht gut, die Umsetzung in diesem Kopfhörer ist aber nicht
sonderlich gut gelungen:
- Erster Test des Kopfhörers im Arbeitszimmer, bei laufenden Rechnern: "Ist das Ding
kaputt?" Beim Einschalten der Kompensationselektronik änderte sich zwar das
Umgebungsgeräusch, aber leiser wurde es nicht. Vor allem: Die
Kompensationselektronik rauscht deutlich vernehmbar vor sich hin. Bestenfalls
wird das Rauschen von Festplatten und Lüftern durch das Verstärkerrauschen
übertönt.
- Längere Tests in verschiedenen Verkehrsmitteln hinterließen einen zwiespältigen
Eindruck: Deutliche Wirkungen hat die Geräuschkompensation nur auf sehr niedrigen
Frequenzen, d.h. das Rumpeln der U-Bahn geht deutlich zurück und auch das
Motorengeräusch im Bus wird gedämpft. Der Kopfhörer reagiert sehr empfindlich
auf jeden Spalt zwischen Ohr und Hörermuschel; aber wer will den Kopfhörer
ständig an die Ohren andrücken?
- Meiner Meinung nach völlig daneben ist die mechanische Lösung der
Kompensationselektronik: So lang wie ein Kugelschreiber, viermal so dick
und mit beiden Anschlußstrippen an einem Ende deutlich herausstehend. Zudem ist der
Schalter ganz offensichtlich minderwertig, denn jedes Stoßen des Gehäuses
führt zu heftigem Rumpeln im Kopfhörer. Die Elektronik kann man z.B. an den
Gürtel hängen, aber in keine Tasche stopfen: Entweder man kommt an den
Ein- und Ausschalter ran, oder an die Strippen. Legt man den Verstärker neben sich,
fällt er ständig runter - was der Lebensdauer der Strippen sicher nicht zuträglich
ist.
- Die positivste Eigenschaft der aktiven Geräuschkompensation: Sie reduziert
Rumpel- und Heulgeräusche, ohne die Sprachverständlichkeit einzuschränken.
Im Gegensatz zu einem geschlossenen Kopfhörer wird man seiner Umgebung gegenüber
nicht taub.
Fazit
Ich bin ziemlich enttäuscht: Von der Wiedergabequalität her gleichwertige Kopfhörer
ähnlicher Bauart bekommt man auch für 100 EUR weniger. Im Wohnbereich nutzt die
Kompensationselektronik schon deshalb nichts, weil sie zu laut rauscht. Ihre Wirkung in
öffentlichen Verkehrsmitteln ist enttäuschend, ich schätze sie auf etwa 6 dB. Bleibt
eigentlich nur, daß die Kompensationselektronik den tiefen Frequenzen auf die Beine
hilft, die Baßwiedergabe wird deutlich besser.
Gerade unterwegs stört auch die mechanische Lösung: Aus Kopfhörer und Anschlußstrippe
werden Kopfhörer, Verstärker und zwei Strippen. Zudem ist das Verstärkergehäuse
ausgesprochen sperrig: Die beiden AAA-Batterien hätte ich nicht hintereinander, sondern
nebeneinander angeordnet und die Anschlußstrippen an einer Flachseite versenkt
angeschlossen. Die Innereien des Kompensationsverstärkers sind recht einfach,
wegen der meist nicht beschrifteten SMD-Bauelemente aber nicht so einfach zu
entschlüsseln. Vielleicht gelingt es mir, den Verstärker auszumessen und nach
meinen Vorstellungen nachzubauen: kleiner, rauschärmer
Ein Leser dieser Seite lieferte eine Alternative: Es gibt Gehörschutzstöpsel, die man
sich vom Hörgeräteakkustiker auch anfertigen lassen kann - die sitzen sicher
bequemer als Teile von der Stange und beeinflussen den Klang wohl auch weniger.
Die optimale Umgebungsdämpfung liefern dann geschlossene
Kopfhörer darüber. Heiße Ohren aber auch...
Ausgesprochen gut macht sich der Kopfhörer im Flugzeug, besonders im Heck,
wo es besonders laut rumpelt. Weiter vorne, wo es in erster Linie rauscht,
macht sich die Geräuschkompensation kaum noch bemerkbar. Es empfiehlt sich übrigens,
ein kurzes Verlängerungskabel mit Winkelstecker mitzunehmen. Einmal steht der
Originalstecker in den Beinraum hinein, außerdem reißt man ihn beim Aufstehen leicht ab.
Das Anlöten eines neuen Steckers ist wegen der hoch flexiblen Leitung problematisch.
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