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Die Internet-Radios werden immer kleiner. Das Pearl PX-8570-675
wurde für mich der (weitgehende) Nachfolger von Weltempfängern wie
der Sony 7600-Serie oder des Sangean ATS 909. Leider hapert es noch an
diversen Details.
Ein Internet-Radio funktioniert nur in unmittelbarer Nähe eines
Accesspoints. Welchen Sinn hat dann so ein Taschenempfänger
wie das Pearl PX-8570-675 (12,5 x 7,2 x 2,2 cm)? Für mich gibt es da mehrere Gründe:
- Als Berufsnomade habe ich regelmäßig Zugang zu mehreren
WLANs an unterschiedlichen Orten. Zwar habe ich meist auch meinen
Laptop dabei, aber den will ich vielleicht am Abend auch mal
abschalten und trotzdem Radio hören.
- Ich höre vorzugsweise Informationssendungen. Da reicht mir die
Klangqualität einer so kleinen Kiste völlig.
- Es trägt wohl kaum zum Hausfrieden bei, die Lautstärke im
Wohnzimmer so laut aufzudrehen, dass man das brutzelnde Schnitzel
in der Küche übertönen kann.
Erste Betriebserfahrungen
Es begann mit zwei Ärgernissen:
- Die Bedienungsanleitung ist, freundlich ausgedrückt, sehr knapp
gefasst. Auf effektiv 10 Seiten Kleinformat ist so ein Produkt
nicht ausreichend zu beschreiben.
- Beim Eingeben des WLAN-Schlüssels bin ich an meinen Fähigkeiten
verzweifelt, eine längere Zahl richtig abschreiben zu können. Am Ende
lag das Problem aber nicht zwischen meinen Ohren, sondern an der
unzureichenden Anleitung: Anders als in der Anleitung beschrieben,
schließt man mit dem Tastendruck nicht die Eingabe eines Zeichens ab,
sondern startet die Eingabe des nächsten. Dafür ist die Voreinstellung
erst mal eine Leerstelle. Wenn man jetzt, wie beschrieben, die
Zeicheneingabe mit einem Tastendruck abschließt und dann die
Eingabe des Schlüssels mit einem langen Tastendruck beendet, bekommt
man ans Ende des Schlüssels ein zusätzliches Leerzeichen und der
Schlüssel wird so falsch. Also: Beim letzten Zeichen nach dem Drehen
am Rad die Taste gleich lang drücken...
Nachdem diese Klippe umschifft war, klappte die Verbindung zu meiner Fritz!box.
Nächster Schritt: In die Website des Herstellers einloggen. Die wollen
beim Anmelden eine E-Mail-Adresse haben. Bislang diente die aber nur als
Benutzername, man kann da also durchaus was Anonymes oder Falsches eingeben.
In der Website hinterlegt man dann seine Senderauswahl.
Dieses Verfahren ist bei Internet-Radios weit verbreitet, damit die
Geräte selber weder Einstellmöglichkeiten noch nicht-flüchtigen Speicher
vorhalten müssen. Jeder muss für sich entscheiden, ob er das für einen
Eingriff in seine Privatsphäre hält.
Mir gelang es zwar problemlos, Einträge für einen Podcast und ein paar
nicht in der Liste vertretene Sender anzulegen. Das hätte ich mir aber
teilweise sparen können, wenn z.B. Einträge für Deutschlandfunk und
Deutschlandradio unter öffentlich-rechtliche Sender vorhanden
gewesen wären. Aus den vorgegebenen Sendern kann ich mir zwar eine
Hierarchie zusammenstellen, also z.B. Bayerischer Rundfunk und
Deutschlandfunk getrennt. Aber die selbst definierten Einträge tauchen
im Menue des Internetradios völlig getrennt auf.
Auch die Software des Internet-Radios selber macht einen ähnlichen unfertigen
Eindruck - auch wenn das vielleicht teilweise an der unzureichenden
Bedienungsanleitung liegt. Ich irre regelmäßig durch die Menues, bis ich
die gewünschte Funktion eher zufällig wieder finde.
Auch wenn's mal läuft, stolpert man regelmäßig über Unzulänglichkeiten:
- Wenn man einen Kopfhörer anschließt, hört man durchgängig
Störgeräusche. Ich vermute, dass das mit der
WLAN-Elektronik zusammen hängt.
- Für ein mit Batterie betriebenes Gerät ist eine Abschaltautomatik
nach meiner Meinung nach unverzichtbar und auch einfach per Software
zu verwirklichen. Ich konnte sie aber zumindest nicht finden.
- Das UKW-Radio lässt sich praktisch nur im Kopfhörerbetrieb nutzen,
denn die Kopfhörerstrippe dient als Antenne. Das kennen wir von den
Handys, aber hier ist es doch ärgerlich.
- Nach praktisch jedem Senderwechsel kommt es innerhalb von 2 min
zu einer Unterbrechung. Das gilt selbst dann, wenn Accesspoint und
Intenret-Radio gerade 1 m voneinander entfernt sind.
Fazit
Für 90 EUR bekommt man ein angenehm kleines Internet-Radio mit
langer Batterielaufzeit - die 14 h, die Pearl angibt, erreicht es
zumindest bei Kopfhörerbetrieb problemlos. Die technischen
Unzulänglichkeiten bin ich bereit als ärgerlich einzustufen.
Da kann ich nur hoffen, dass der Hersteller die Firmware noch deutlich
nachbessert; eine Update-Funktion ist ja vorhanden.
Die Bedienungsanleitung gehört dem
Pearl-Geschäftsführer aber rechts und links um die Ohren gehauen.
Solche Sparmaßnahmen haben in seinem Laden nämlich Methode, wie ich schon
anderweitig bemerken musste. Beispiel:
Handy Simvalley SX-330. Wenn ihm die Druckkosten
zu hoch sind, soll er doch 1.000 EUR pro Produkt in die
Erstellung einer vernünftigen Anleitung investieren und sie als
PDF zum Download zur Verfügung stellen. Das würde seine Kosten doch nur
um Bruchteile von Euro pro verkauftem Produkt erhöhen.
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